Umfragen

Umfrageergebnisse: Pflege von Demenzkranken durch Langzeitarbeitslose ?

280 Teilnehmer | Rege Diskussion | Grundtenor in Kommentaren

Die Pflege wird immer mehr zum Engpass und gravierenden Problem für die Gesellschaft. Die Bundesagentur für Arbeit hat nunmehr einen Vorschlag entwickelt: Mehrere tausend Langzeit-Arbeitslose sollen in Pflegeheime vermittelt werden. In 100 Theoriestunden und 60 Praxisstunden sollen diese für die Aufgabe vorbereitet werden. Schnapsidee oder ein sinnvoller Vorschlag? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Wir wollten in einer Online-Umfrage wissen, was Ihr dazu meint!

Die Frage: 

Ist es ein sinnvoller Vorschlag, Langzeitarbeitslose für die Betreuung von Demenzkranken zu qualifizieren und einzusetzen? 

Das Ergebnis:

 46% meinen: Richtiger Blödsinn … Gerade die Pflege und Betreuung von Demenzkranken erfordert Erfahrung, spezielles Fachwissen und Motivation und ist nicht im Ansatz in 100 Theorie- und 60 Praxisstunden zu vermitteln.

 44% meinen … Kommt drauf an: Wenn unter strenger Aufsicht und nach einer qualifizierten Ausbildung Langzeit-Arbeitslose Interesse und Motivation entwickeln, kann das im Einzelfall hilfreich sein.

 10% meinen … Sehr guter Vorschlag: Der Einsatz von Langzeit-Arbeitslosen kann die Fachpflege entlasten und wichtige Freiräume für die Betreuung eröffnen.

Kontroverse Diskussion: 

Die Diskussion bei Facebook war rege. Dies belegt eine Vielzahl von Kommentaren. 
Das Thema Pflege von Demenzkranken ist offenbar sehr gegenwärtig und die enge Personalsituation wird allgemein als zentrales Problem erkannt. 
In den Kommentaren bei Facebook gab es einen Grundtenor: 
Es ist dringend notwendig, mehr Menschen für die Pflege von Demenzkranken zu gewinnen, aber auf keinen Fall sollten Abstriche in der Qualifikation oder Erfahrung gemacht werden. 

Nachfolgend exemplarisch ein paar Originalkommentare:

  • "... Pflege ist eine Profession. Solange wir noch darüber diskutieren, ob man jeden Dahergelaufenen für die Pflege abstellen kann, wird sich auch an dem Notstand nichts ändern. Unsere Gesellschaft bekommt hier schlicht das, was sie verdient. Wer nicht ordentlich für eine Dienstleistung zahlen will, kann in unserer kapitalistischen Gesellschaft auch nicht erwarten, dass sie von guter Qualität ist ..." 
  • "... Man könnte Langzeitarbeitslose doch einfach in der Bundesagentur für Arbeit beschäftigen. Ich glaube kaum, dass die da auf noch blödere Ideen kommen könnten ..."
  • "... Selbst wenn Arbeitslose nur leichte Hilfstätigkeiten mit relativ einfachen Patienten ausführen sollen bleibt es eine Tätigkeit, die 95 von 100 Menschen seelisch überfordern wird. Man sieht dort Live aus erster Hand, was im Alter aus uns werden kann und teilweise leider auch wird. Diesem Druck können nicht alle standhalten. Kommt jetzt aber, typisch Arge/Arbeitsamt, die tolle Aufforderung „Dort arbeiten sonst Leistungsbezug gestrichen“ haben die Betroffenen doppelten Druck – ein Job den man nicht machen kann und die angedrohten Konsequenzen ..." 
  • "... So produziert man Depressive, ganz davon abgesehen von den Konsequenzen für die Alten durch mögliche überforderte und negativ eingestellte Hilfspfleger. Rückenkranke stellt man schliesslich auch nicht für 1 Euro Jobs am Bau ab ..."

Fazit: 

Wenn man den Vorschlag der Bundesanstalt für Arbeit wohlwollend als einen Anstoß versteht, um nachzudenken wie man die gravierende Personalnot in der Pflege durch innovative und neue Gedanken beflügelt, ist der Vorstoß zu begrüßen. 
Aber leider ist die praktische Umsetzung, Langzeitarbeitslose für die Pflege von Demenzkranken im Schnellverfahren zu qualifizieren kaum möglich. Offenbar hat man sich in der Bundesagentur für Arbeit sehr wenig mit der Komplexität in der Pflege von Demenzkranken beschäftigt. 
Gerade die Pflege von Demenzkranken erfordert spezifische Kenntnisse, Erfahrungen und auch ein gerütteltes Maß an Stress-Resistenz, die sich nicht so ohne Weiteres in einem Schnellkurs vermitteln lassen. 
Und auf einen Faktor weisen viele Diskussionsteilnehmer besonders hin: Die Pflege ist nur dann von guter Qualität, wenn die Pflegekräfte motiviert, engagiert und mit Herz ihrer Aufgabe nachgehen. Und es wird bezweifelt, dass Langzeitarbeitslose diese Motivation und berufliche Leidenschaft mitbringen. 
Letztlich wird also auch dieser Vorschlag keinen wirklichen Fortschritt bringen. 
Es ist an der Zeit, den Berufstand der Pflege sowohl finanziell wie auch in der gesellschaftlichen Anerkennung zu fördern.

Redaktion: valmedi.de
Bild: Lightspring by shutterstock; Nr. 574678135

Kategorien

Ähnliche Artikel

Umfragen Gehalt Berufliches

Umfrage-Ergebnisse | 
Was ist aus Deiner Sicht das entscheidende Problem in der Pflege?

375 Teilnehmer | Eindeutiges Ergebnis | Interessante Kommentare

Umfragen

Pflege im Umbruch?

Im Verlaufe der letzten Jahre hat sich die Situation drastisch zugespitzt. Fehlendes...

Umfragen

Gehalt Assistenzarzt | Assistenzärztin

„Mediziner gehören im Gesamtvergleich eindeutig zu den Besserverdienern“. 
Die Anfangsgehälter...

Fachweiterbildung

Fachweiterbildung Neurologie | Fachbereich mit sehr guten Perspektiven

Die Neurologie ist mit der am stärksten wachsende Fachbereich in der Medizin mit...

Umfragen

Demenzkranke durch Langzeit-Arbeitslose betreuen?

Die Pflege wird immer mehr zum Engpass und gravierenden Problem für die Gesellschaft....