Gehalt

Beruf | Gehalt Hebamme

Warum gibt es eigentlich zu wenig Hebammen?

Es ist fast schon paradox: Wir sind ein reiches Land, bemängeln eine niedrige Geburtenrate und halten gerade die Geburtshilfe unterfinanziert und infolgedessen auch unterbesetzt. Obwohl einer der beliebtesten Berufe mit einem hohen Ansehen, gibt es immer weniger Hebammen. Nahezu alle Geburtsabteilungen suchen händeringend nach Hebammen. Und es steht zu befürchten, dass es noch schlimmer kommen kann.

Was sind eigentlich die Aufgaben einer Hebamme? 

Der Beruf der Hebamme ist ein Beruf mit langer Tradition. Hebammen betreuen Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und sind für eine optimale Nachsorge verantwortlich. Der Beruf erfordert Fachwissen, Erfahrung und viel Enthusiasmus und Engagement. Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme.
Die Kosten für diese Leistungen übernehmen die Krankenkassen.

Die zentralen Aufgaben einer Hebamme sind: 

  • Vorsorgeuntersuchungen 
  • Vorbereitungskurse für die Geburt 
  • Die Betreuung während der Geburt 
  • Die Nachsorge nach der Geburt

Zahlen und Fakten: in Deutschland gibt es rund 23.000 Hebammen 

Die nachfolgenden Zahlen basieren auf einem Zahlenspiegel des deutschen Hebammenverbandes, Zahlen des statistischen Bundesamtes und eigenen Hochrechnungen. 

Die Situation bei freiberuflich tätigen Hebammen 

  • Rund 16.000 (70-80%) aller Hebammen sind freiberuflich und nicht in der Geburtshilfe tätig.
  • Etwa 1.800 freiberuflich tätige Hebammen arbeiten in Kliniken als Beleghebammen; dies sind rund 11% der freiberuflich tätigen Hebammen.
  • Auch freiberuflich tätige Hebammen arbeiten überwiegend in Teilzeit (Schätzung: etwa 70%).

Die Situation in Kliniken 

  • Etwa 10.800 Hebammen sind in fest in Krankenhäusern (Stand 2015) engagiert; davon sind allerdings nur rund 9.000 Hebammen fest beschäftigt. 
  • Zusätzlich arbeiten etwa 1.800 als Beleghebammen in Krankenhäusern. 
  • Der Anteil der Teilzeittätigkeit hat sich innerhalb der letzten 25 Jahre (Vergleich 1991 zu 2014) drastisch erhöht; im Jahr 2015 arbeiten mehr als 72% in Teilzeit oder sogar als geringfügig Beschäftigte.

Allgemeine Geburtenraten und Anzahl von Krankenhäusern mit einer Geburtshilfe 

  • Die Anzahl der Geburten in Deutschland belief sich (lt. stat. Bundesamt) in 2015 auf rund 740.000; das ist innerhalb von 25 Jahren (gegenüber dem Jahr 1991) ein Rückgang von rund 110.000 (1991: 830.000). 
  • In den letzten 25 Jahren (Vergleich 2015 zu 1991) hat sich die Anzahl der Krankenhäuser mit einer Geburtshilfe um rund 30% reduziert; in 2015 gab es nur noch rund 700 Krankenhäuser mit einer Klinik für Geburtshilfe. 

Vergütung und Versicherungsprämien 

  • Die Haftpflichtprämien für freiberuflich tätige Hebammen pro Jahr haben sich seit 2000 von 413 € auf 7.600 € erhöht (!!); diese Steigerung wurde nur zum Teil durch eine Erhöhung der Vergütungssätze und Zusatzzahlungen ausgeglichen.
  • Freiberuflich erbrachte Hebammenleistungen in einem Krankenhaus wurden in 2015 mit rund 271 € je Geburt vergütet.
  • Das Einstiegsgehalt einer Hebamme in einer Klinik lag in 2017 bei rund 2.730 € brutto.

Die Zahlen belegen: Die Situation für Hebammen wird schwieriger 

Die Zahlen belegen rein faktisch, dass sich die Situation für Hebammen in Deutschland durch gegenläufige Entwicklungen erschwert. Dabei liegen die Probleme weniger in der Verfügbarkeit von Hebammen. Mit rund 23.000 Hebammen wäre eine Versorgung absolut gesehen ausreichend.
Auch die Ausbildungsquote mit rund 500 Absolventen pro Jahr ist hinreichend. 

Es sind sich langsam verändernde Rahmenbedingungen, die sich gegenseitig verstärken und immer mehr Druck auf den Beruf ausüben

Die Zahl der festangestellten Hebammen sinkt und die auch Anzahl der freiberuflich tätigen Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, ist stark rückläufig.
Durch die starke Zunahme der Teilzeitbeschäftigung wird die Arbeitsintensität immer weiter gesteigert.

Wir sehen also einen deutlich spürbaren negativen Kreislauf. „Umgerechnet müssen immer weniger Vollzeitkräfte pro Kopf immer mehr Geburten bewältigen“. Das schafft Unzufriedenheit und lässt nur noch wenig Spielraum für die zeitintensive Betreuung von Schwangeren. 
Diese starke Anspannung und Arbeitsintensität wird zu allem Überfluss auch noch durch eine „magere“ Entwicklung in Gehalt und Entgelten sowie durch hohe Versicherungsprämien verstärkt. 
Die direkte Folge: der Beruf der Hebamme wird immer unattraktiver. 

Was verdient eigentlich eine Hebamme? 

Man muss unterscheiden zwischen freiberuflicher und angestellter Hebamme.
Die Angestelltenverhältnisse werden durch Tarifverträge geregelt. Je nach Träger – etwa öffentlich oder kirchlich - gibt es feste Tarifgruppen, die ungefähr denen für Krankenschwestern entsprechen. 

Nach dem aktuellen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes sind die monatlichen Brutto-Gehälter von Hebammen wie folgt: 

  • nach 1 Jahr: 2.732,33 €
  • nach 2 Jahren: 2.865,46 €
  • nach 3 Jahren: 3.036,16 €
  • nach 4 Jahren: 3.174,02 €
  • nach 5 Jahren: 3.365,23 €

Die Gehälter für Hebammen bei anderen Tarifpartnern (bspw. kirchliche oder private Träger) unterscheiden sich nicht signifikant. 

Wie ist der Ausbildungsweg „Hebamme“? 

Die Hebammenausbildung ist formal gegliedert in eine theoretische Ausbildung und eine praktische Ausbildung.
Die Ausbildung wird über eine Hebammenschule organisiert.
Verantwortlich für die theoretische Ausbildung sind eine Lehrhebamme und ein ärztlicher Leiter. Normalerweise sind Hebammenschulen an Krankenhäuser angegliedert. Hier findet auch die praktische Ausbildung statt. 
Die Ausbildung dauert insgesamt 3 Jahre und endet mit einer staatlichen Prüfung.
Wer die Prüfung erfolgreich abschließt, darf die Berufsbezeichnung „Hebamme und Entbindungspfleger“ führen. 
Auch die Ausbildungsgehälter sind tariflich geregelt und haben folgende Tarife: 

  • im 1. Ausbildungsjahr 950 bis 1.000 Euro brutto 
  • im 2. Ausbildungsjahr 1.000 bis 1.050 Euro brutto 
  • im 3. Ausbildungsjahr 1.100 bis 1.150 Euro brutto 

Wie sind die Perspektiven dieses Berufes? 

Die Perspektiven im Beruf Hebamme sind - obwohl der Berufsstand durch Fehlentwicklungen in der Finanzierung und Vergütung stark unter Druck steht - exzellent. Es gibt kein Geburtshaus und keine Geburtsklinik in Deutschland, die nicht ambitionierte und engagierte Hebammen sofort einstellt. 
Bei valmedi gibt es viele interessanten Stellenangebote für Hebammen mit guten Chancen und Perspektiven.

Im Grundsatz gilt: Hebammen können sich den Ort und die Klinik aussuchen und aufgrund des engen Marktes bestehen zukünftig auch gute Chancen, dass sich Arbeitsbedingungen und auch die Gehaltsentwicklung spürbar verbessern.

Kategorien

Ähnliche Artikel

Berufliches

Fachweiterbildung Neurologie | Fachbereich mit sehr guten Perspektiven

Die Neurologie ist mit der am stärksten wachsende Fachbereich in der Medizin mit...

Gehalt

Gehalt Assistenzarzt | Assistenzärztin

„Mediziner gehören im Gesamtvergleich eindeutig zu den Besserverdienern“. 
Die Anfangsgehälter...

Umfragen Gehalt Berufliches

Umfrage-Ergebnisse | 
Was ist aus Deiner Sicht das entscheidende Problem in der Pflege?

375 Teilnehmer | Eindeutiges Ergebnis | Interessante Kommentare

Umfragen

Pflege im Umbruch?

Im Verlaufe der letzten Jahre hat sich die Situation drastisch zugespitzt. Fehlendes...

Umfragen

Gehalt Assistenzarzt | Assistenzärztin

„Mediziner gehören im Gesamtvergleich eindeutig zu den Besserverdienern“. 
Die Anfangsgehälter...