Pflegekräfte häufiger krank

Pflegekräfte weisen weiterhin überdurchschnittlich viele krankheitsbedingte Fehltage auf. Körperliche Belastung, Schichtarbeit, Infektionsrisiken und psychischer Druck verlangen deshalb vor allem strukturelle Prävention.

Pflegekräfte häufiger krank

Krankenstand in der Pflege bleibt hoch

Pflegekräfte sind überdurchschnittlich häufig arbeitsunfähig. Eine Auswertung der Techniker Krankenkasse für 2023 ermittelte im Durchschnitt 29,8 Fehltage in Pflegeberufen; über alle Berufsgruppen hinweg waren es bei den ausgewerteten Versicherten 18,6 Tage. In der Altenpflege lagen die Fehlzeiten mit 34,2 Tagen über denen in der Krankenpflege mit 28 Tagen. Die Werte beziehen sich auf TK-versicherte Erwerbstätige und dürfen nicht ungeprüft auf alle Beschäftigten übertragen werden.

Für 2023 entfielen in der Pflege besonders viele Fehltage auf Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Der TK-Gesundheitsreport 2026 bestätigt auch für 2025, dass Fehlzeiten je nach Berufsgruppe deutlich auseinanderliegen und in körperlich sowie psychosozial belastenden Tätigkeitsfeldern überdurchschnittlich ausfallen können.

Belastungen im Pflegealltag

Pflegearbeit verbindet körperliche Anforderungen mit hoher Verantwortung und engem Zeitdruck. Heben und Lagern, Schicht- und Nachtarbeit, häufige Kontakte mit Krankheitserregern, emotionale Belastungen und fehlende Erholungszeiten können die Gesundheit beeinträchtigen. Wie stark einzelne Faktoren wirken, hängt von Arbeitsbereich, Personalbesetzung, Technik, Führung und individuellen Voraussetzungen ab.

Ein hoher Krankenstand verschärft bestehende Engpässe: Ausfälle erhöhen die Belastung der verbleibenden Teams, zusätzliche Dienste erschweren die Erholung, und dauerhaft ungünstige Bedingungen können die Bindung an den Arbeitgeber schwächen. Dieser Kreislauf ist jedoch nicht unvermeidbar und darf nicht einzelnen Beschäftigten zugeschrieben werden.

Psychische und körperliche Gesundheit schützen

Prävention sollte an der Arbeitsorganisation ansetzen. Dazu gehören verlässliche Dienstpläne, ausreichend besetzte Schichten, planbare Pausen und eine Führungskultur, in der Überlastung früh angesprochen werden kann. Technische Hilfsmittel und Schulungen zum sicheren Bewegen von Patientinnen und Patienten können körperliche Belastungen reduzieren.

Nach belastenden Ereignissen brauchen Teams niedrigschwellige Unterstützung, etwa Supervision, kollegiale Beratung oder betriebspsychologische Angebote. Solche Maßnahmen ersetzen keine angemessene Personalausstattung, können aber helfen, Belastungen früh zu erkennen und zu verarbeiten.

Verbesserungen auf mehreren Ebenen

  • Personal und Dienstplanung: Schichten realistisch besetzen, Ruhezeiten schützen und kurzfristiges Einspringen begrenzen.
  • Ergonomie: Geeignete Hilfsmittel bereitstellen, ihre Nutzung ermöglichen und Arbeitsplätze gesundheitsgerecht gestalten.
  • Infektionsschutz: Hygienestandards, Impfangebote und ausreichende Schutzausrüstung verlässlich umsetzen.
  • Psychische Gesundheit: Vertrauliche Beratung, Supervision und strukturierte Nachsorge nach kritischen Ereignissen anbieten.
  • Arbeitsorganisation: Dokumentation vereinfachen, Zuständigkeiten klären und vermeidbare Unterbrechungen reduzieren.
  • Entwicklung und Bindung: Einarbeitung, Weiterbildung, faire Vergütung und verlässliche Karrierewege stärken.

Ein nachhaltiger Rückgang der Fehlzeiten erfordert das Zusammenspiel von Einrichtungen, Beschäftigtenvertretungen, Kostenträgern und Politik. Entscheidend ist, Belastungen anhand eigener Gefährdungsbeurteilungen und Fehlzeitendaten zu analysieren und daraus überprüfbare Maßnahmen abzuleiten.


Letzte Aktualisierung
30.07.2026
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildnachweis
Bildnachweis: Shutterstock_2024443025.jpg

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