Ärzte am Limit: PTBS im Medizinalltag
Ärztinnen und Ärzte erleben im Beruf mitunter außergewöhnlich belastende Situationen. Nicht jede Belastung führt zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) – anhaltende Beschwerden nach einem traumatischen Ereignis sollten jedoch ernst genommen und fachlich abgeklärt werden.

Notfälle, Gewalt, schwere Behandlungsverläufe oder der Tod von Patientinnen und Patienten können medizinisches Personal stark belasten. Ob daraus eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht, hängt nicht allein vom Arbeitspensum ab: Entscheidend sind Art und Schwere des Ereignisses sowie individuelle und soziale Schutz- und Risikofaktoren.
Im Englischen heißt die Diagnose Post-traumatic Stress Disorder (PTSD), im Deutschen Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Der Beitrag verwendet die deutsche Abkürzung PTBS.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Was ist PTBS?
Eine PTBS kann nach einem extrem bedrohlichen oder entsetzlichen Ereignis entstehen, das eine Person selbst erlebt oder beobachtet hat. Beruflicher Stress, Überlastung oder ein schwieriger Arbeitstag sind für sich genommen nicht mit einer PTBS gleichzusetzen.
Symptome und Anzeichen
Typisch sind sich aufdrängende Erinnerungen oder Flashbacks, das Vermeiden von Erinnerungen und Situationen, anhaltende innere Alarmbereitschaft sowie Schlaf- und Konzentrationsprobleme. Auch emotionale Taubheit, Reizbarkeit oder Rückzug können auftreten. Die Diagnose gehört in die Hände qualifizierter Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Unterschied zwischen alltäglichem Stress und PTBS
Stressreaktionen klingen häufig ab, wenn die Belastung endet und Erholung möglich wird. Bei einer PTBS bleiben Beschwerden bestehen, beeinträchtigen den Alltag und stehen in einem erkennbaren Zusammenhang mit einem traumatischen Ereignis. Selbsttests ersetzen keine fachliche Diagnostik.
Belastende Ereignisse im ärztlichen Beruf
Mögliche Auslöser sind etwa massive Gewalt, Katastropheneinsätze, der unerwartete Tod eines Patienten oder einer Patientin, lebensbedrohliche Notfälle oder schwerwiegende Behandlungsereignisse. Wiederholte Konfrontation kann belasten, führt aber nicht automatisch zu einer PTBS.
Auch Schuldgefühle nach einem unerwünschten Behandlungsverlauf können psychisch schwer wiegen. Dafür werden teils die Begriffe „Second Victim“ oder zweite Opferrolle verwendet. Dieses Belastungsmuster ist nicht automatisch eine PTBS und sollte differenziert betrachtet werden.
Mögliche Folgen im Berufsalltag
Eine PTBS kann Konzentration, Schlaf, Stimmung und soziale Beziehungen beeinträchtigen. Im Arbeitskontext können sich Rückzug, Vermeidungsverhalten, Unsicherheit in bestimmten Situationen oder Fehlzeiten zeigen. Aus einzelnen Symptomen lässt sich jedoch weder die Diagnose noch eine verminderte berufliche Eignung ableiten.
Für Teams und Arbeitgeber ist eine nicht stigmatisierende Haltung wichtig. Vertrauliche Hilfsangebote, verlässliche Vertretungsregeln und eine Kultur, in der belastende Ereignisse besprochen werden können, erleichtern den Zugang zu Unterstützung.
Hilfe und Behandlung
Wer nach einem belastenden Ereignis über längere Zeit unter Flashbacks, Albträumen, Vermeidung, starker Anspannung oder deutlichen Einschränkungen leidet, sollte professionelle Hilfe suchen. Erste Anlaufstellen können die hausärztliche Praxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde oder der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 sein. In akuten Notfällen gilt die 112.
Eine Psychotherapie kann helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. Welche Behandlung geeignet ist, wird individuell entschieden. Achtsamkeit, Bewegung oder kollegiale Gespräche können ergänzend unterstützen, ersetzen bei einer PTBS aber keine fachgerechte Behandlung.
Was Einrichtungen vorbeugend tun können
- niedrigschwellige und vertrauliche psychologische Unterstützung anbieten,
- Supervision und kollegiale Fallbesprechungen ermöglichen,
- nach außergewöhnlichen Ereignissen zeitnah Unterstützung anbieten, ohne Betroffene zu einer sofortigen detaillierten Schilderung zu drängen,
- ausreichende Erholungszeiten und verlässliche Vertretungen organisieren und
- Führungskräfte für psychische Belastungen und Hilfswege sensibilisieren.
Psychische Beschwerden sind kein persönliches Versagen. Frühe Unterstützung kann dazu beitragen, Chronifizierung und weitere Belastungen zu vermeiden.
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