Facharzt-Weiterbildung Nephrologie
Die Nephrologie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der Inneren Medizin und befasst sich mit Erkrankungen der Nieren sowie mit Dialyseverfahren und Nierentransplantation. Arbeitsbereiche nach der Facharztweiterbildung sind das Krankenhaus und der ambulante Bereich, insbesondere Dialysezentren. Im stationären Bereich arbeiten Nephrologinnen und Nephrologen vor allem an Krankenhäusern der Schwerpunkt- und Maximalversorgung.

Die Nephrologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und befasst sich mit Erkrankungen der Nieren sowie mit Dialyseverfahren und Nierentransplantation.
Nieren übernehmen wichtige Aufgaben im Stoffwechsel und im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen kommen, unter anderem im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder arterieller Hypertonie. In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Ein Teil der Patientinnen und Patienten ist dauerhaft auf Dialyse angewiesen oder benötigt eine Nierentransplantation.
Der Beitrag gibt einen Überblick über die Facharzt-Weiterbildung Nephrologie, die Inhalte der Weiterbildung, wichtige Behandlungsverfahren sowie mögliche Tätigkeitsbereiche nach der Weiterbildung.
Begriffsklärung Nephrologie
Der Begriff Nephrologie stammt aus dem Altgriechischen. „Nephros“ bedeutet Niere, „logos“ bedeutet Lehre oder Wissenschaft. Die Nephrologie ist damit das medizinische Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen der Nieren sowie mit Dialyseverfahren und Nierentransplantation befasst.
Die Nephrologie arbeitet eng mit anderen Fachgebieten der Medizin zusammen, insbesondere mit der Kardiologie und der Allgemeinmedizin, da Nierenerkrankungen häufig mit anderen chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus verbunden sind.
Ärztestatistik Nephrologie 2024
Laut Bundesärztestatistik 2024 gab es in Deutschland insgesamt 2.930 Ärztinnen und Ärzte mit einer Facharzt-, Schwerpunkt- oder Teilgebietsbezeichnung in der Nephrologie. Davon waren 2.735 berufstätig.
Von den berufstätigen Nephrologinnen und Nephrologen arbeiteten 1.737 im ambulanten Bereich und 998 im stationären Bereich. Der Frauenanteil lag bei rund 40 %.
Die Weiterbildungsbezeichnungen in der Nephrologie verteilten sich wie folgt:
- Innere Medizin und Nephrologie: 1.257
- Schwerpunkt Nephrologie: 1.417
- Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie: 223
- Teilgebiet Nephrologie: 33
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 135 Facharztanerkennungen in der Nephrologie erteilt. Der Frauenanteil lag dabei bei etwas über 40 %.
Die Nephrologie ist außerdem eine Subspezialisierung in der Kinder- und Jugendmedizin. Im Jahr 2024 waren 57 Ärztinnen und Ärzte mit einer Zusatzweiterbildung in der Kinder-Nephrologie in diesem Bereich tätig.
Behandlungsschwerpunkte der Nephrologie
Zu den zentralen Aufgaben der Nephrologie gehört die Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz einschließlich der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Hämodialyse oder Peritonealdialyse. Auch das akute Nierenversagen gehört zu den häufigen Krankheitsbildern in der Nephrologie.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Behandlung der arteriellen Hypertonie, insbesondere bei Zusammenhang mit Nierenerkrankungen oder bei schwer einstellbarem Blutdruck. Ebenso gehören Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts zum nephrologischen Arbeitsgebiet, zum Beispiel Hyperkaliämie oder Hyponatriämie.
Zur Nephrologie gehört außerdem die Betreuung von Patientinnen und Patienten vor und nach Nierentransplantation. Auch die Abklärung von Nierensteinerkrankungen und die medikamentöse Rezidivprophylaxe gehören zum Tätigkeitsbereich, während operative Eingriffe in der Regel durch die Urologie erfolgen.
Typische Krankheitsbilder in der Nephrologie sind zum Beispiel:
- Chronische Niereninsuffizienz
- Akutes Nierenversagen
- Glomerulonephritiden
- Diabetische Nephropathie
- Hypertensive Nephropathie
- Zystische Nierenerkrankungen
- Elektrolytstörungen
- Dialysepflichtige Niereninsuffizienz
Facharztweiterbildung Nephrologie: Dauer und Struktur
Das Ziel der Fachweiterbildung in Innerer Medizin und Nephrologie ist die Erlangung der Facharztkompetenz. Die gesamte Weiterbildungszeit, inklusive der Basisweiterbildung Innere Medizin, beträgt 72 Monate. Nach Abschluss der Basisweiterbildung in der Inneren Medizin kann die Spezialisierung in der Nephrologie erfolgen.
Die darauf folgenden 36 Monate sind für die spezialisierte Weiterbildung in Nephrologie vorgesehen. Hier sind 6 Monate internistische Intensivmedizin zu absolvieren, die auch während der Basisweiterbildung erbracht werden können. Zudem sind 6 Monate praktische Erfahrung in der Dialyse erforderlich.
Es besteht die Möglichkeit, bis zu 18 Monate der Fachweiterbildung im ambulanten Bereich zu leisten.
Weiterbildungsinhalte
Die Inhalte der Facharztweiterbildung Innere Medizin und Nephrologie sind in der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern festgelegt. Die Weiterbildung umfasst die Diagnostik und Behandlung von Nierenerkrankungen, Dialyseverfahren, Transplantationsmedizin sowie internistische und intensivmedizinische Inhalte.
Während der Weiterbildung werden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten insbesondere in folgenden Bereichen vermittelt:
- Inhalte der Basisweiterbildung Innere Medizin
- Erkennung und konservative Behandlung akuter und chronischer Nierenerkrankungen sowie renaler Hypertonie und Folgeerkrankungen
- Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Nierenersatzverfahren
- Dialyseverfahren bei akutem Nierenversagen und chronischer Niereninsuffizienz sowie extrakorporale Eliminationsverfahren und Peritonealdialyse
- Indikationsstellung und Mitwirkung bei Nierenbiopsien sowie Befundinterpretation
- Diagnostik und Therapie von Kollagenosen und Vaskulitiden mit Nierenbeteiligung in interdisziplinärer Zusammenarbeit
- Indikationsstellung zu interventionellen Eingriffen, z. B. bei Nierenarterienstenose oder Harnabflussstörungen
- Indikationsstellung zu nuklearmedizinischen Untersuchungen sowie zu chirurgischen und strahlentherapeutischen Verfahren einschließlich Nierentransplantation
- Betreuung von Patientinnen und Patienten vor und nach Nierentransplantation
- Ernährungsberatung bei Nierenerkrankungen
- Intensivmedizinische Basisversorgung
Zu den definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren gehören insbesondere:
- Hämodialyse und analoge Verfahren
- Duplex- und Doppleruntersuchungen der Nierengefäße, auch bei Transplantatnieren
- Urinmikroskopie einschließlich Quantifizierung und Differenzierung der Zellen
Weiterführende Spezialisierungen in der Nephrologie
Nach der Facharztweiterbildung Innere Medizin und Nephrologie können Nephrologinnen und Nephrologen weitere Tätigkeitsschwerpunkte entwickeln, zum Beispiel in bestimmten Patientengruppen, Behandlungsverfahren oder Teilbereichen der Nephrologie.
Mögliche Schwerpunkte sind unter anderem:
- Pädiatrische Nephrologie – Nierenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
- Transplantationsnephrologie – Betreuung von Patientinnen und Patienten vor und nach Nierentransplantation
- Dialysemedizin – Hämodialyse, Peritonealdialyse und extrakorporale Verfahren
- Interventionelle Nephrologie – z. B. Shuntchirurgie, Katheterverfahren, Gefäßzugänge
- Onkologische Nephrologie – Nierenerkrankungen im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen oder Chemotherapie
- Schwangerschaft und Nierenerkrankungen – Betreuung von Patientinnen mit Nierenerkrankungen während der Schwangerschaft
- Hypertensiologie – Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie, insbesondere bei sekundärer Hypertonie
Diese Schwerpunkte werden meist im Rahmen der klinischen Tätigkeit, in spezialisierten Zentren oder durch zusätzliche Qualifikationen und Zertifikate erworben.
Berufliche Perspektiven in der Nephrologie
Nach der Facharztweiterbildung Innere Medizin und Nephrologie bestehen Tätigkeitsmöglichkeiten im stationären und im ambulanten Bereich.
Im stationären Bereich arbeiten Nephrologinnen und Nephrologen vor allem an Krankenhäusern mit nephrologischen Abteilungen, Dialyseabteilungen, Intensivstationen oder Transplantationszentren.
Ein großer Teil der nephrologischen Versorgung findet im ambulanten Bereich statt, insbesondere in Dialysezentren und nephrologischen Schwerpunktpraxen. Dadurch besteht für Fachärztinnen und Fachärzte für Nephrologie auch die Möglichkeit der Niederlassung oder der Tätigkeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum.
Die Nephrologie ist ein stark spezialisiertes Teilgebiet der Inneren Medizin. Die Behandlung chronischer Nierenerkrankungen und die Dialyseversorgung sind langfristige Versorgungsaufgaben, sodass viele Patientinnen und Patienten über Jahre betreut werden.
Weitere Tätigkeitsfelder sind zum Beispiel:
- Nephrologische Schwerpunktpraxen
- Dialysezentren
- Krankenhäuser mit nephrologischen Abteilungen
- Transplantationszentren
- Intensivmedizin
- Forschung und Lehre
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