Facharzt-Weiterbildung Herzchirurgie

Die Herzchirurgie behandelt angeborene und erworbene Erkrankungen des Herzens und der herznahen Gefäße. Die Weiterbildung verbindet operative Medizin mit Notfall- und Intensivmedizin und erfordert eine befugte Weiterbildungsstätte mit passendem Behandlungsspektrum.

Die Illustration zeigt ein Herz in der Mitte und typische medizinische Geräte die bei Operationen eingesetzt werden.

Die Herzchirurgie behandelt angeborene und erworbene Erkrankungen des Herzens und der herznahen Gefäße operativ und interventionell. Die Facharztweiterbildung dauert nach der aktuellen Muster-Weiterbildungsordnung 72 Monate und verbindet herzchirurgische Praxis mit Notfall- und Intensivmedizin.

Arbeitsschwerpunkte und Krankheitsbilder der Herzchirurgie

Herzchirurginnen und Herzchirurgen versorgen Patientinnen und Patienten vor, während und nach operativen Eingriffen. Das Spektrum reicht von Koronar- und Herzklappenoperationen über Eingriffe an der thorakalen Aorta bis zu Operationen bei angeborenen Herzfehlern, Transplantationen und mechanischer Kreislaufunterstützung.

Typische Krankheitsbilder und Verfahren sind:

  • Koronare Herzkrankheit: Bypass-Operationen können die Durchblutung des Herzmuskels verbessern.
  • Herzklappenerkrankungen: Klappen werden rekonstruiert oder ersetzt; die Wahl des Verfahrens erfolgt interdisziplinär.
  • Erkrankungen der thorakalen Aorta: Aneurysmen und Dissektionen können komplexe offene oder hybride Eingriffe erfordern.
  • Angeborene Herzfehler: Je nach Fehlbildung sind Operationen im Kindes- oder Erwachsenenalter notwendig.
  • Terminale Herzinsuffizienz: Herzassistenzsysteme oder eine Herztransplantation kommen für ausgewählte Patientinnen und Patienten infrage.
  • Herzrhythmusstörungen: Herzchirurgische Ablationsverfahren können Teil eines Behandlungskonzepts sein.

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Befund, Begleiterkrankungen, Operationsrisiko und verfügbaren Alternativen ab. Entscheidungen werden häufig in interdisziplinären Heart-Teams getroffen.

Schnittstellen der Herzchirurgie zu anderen medizinischen Fachbereichen

Herzchirurgie ist eng mit Kardiologie, Anästhesiologie, Intensivmedizin, Radiologie, Gefäßmedizin und Kinderkardiologie verbunden. Kardiologische Diagnostik und interventionelle Verfahren, operative Möglichkeiten und individuelle Risiken müssen gemeinsam bewertet werden.

Kardiologie

Kardiologinnen und Kardiologen diagnostizieren und behandeln Herz-Kreislauf-Erkrankungen medikamentös und interventionell. Bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzklappen oder Aorta wird gemeinsam geprüft, ob ein kathetergestütztes, chirurgisches oder kombiniertes Verfahren den größten Nutzen erwarten lässt.

Anästhesiologie und Intensivmedizin

Anästhesie, intraoperative Überwachung und postoperative Intensivtherapie sind fester Bestandteil komplexer Eingriffe. Herzchirurgische Weiterbildung umfasst deshalb auch verpflichtende intensivmedizinische Zeiten und Kompetenzen im Management akuter Herz- und Lungeninsuffizienz.

Thorax- und Gefäßchirurgie

Überschneidungen bestehen insbesondere bei Erkrankungen der thorakalen Aorta, Eingriffen im Brustkorb und der Versorgung von Gefäßkomplikationen. Die Facharztkompetenzen bleiben dennoch eigenständige Weiterbildungswege.

Herzchirurgische Fachabteilungen und Weiterbildungsstätten

Herzchirurgische Eingriffe benötigen spezialisierte Operations-, Perfusions- und Intensivstrukturen. Die Weiterbildung findet deshalb überwiegend an Herzzentren, Universitätskliniken und anderen Kliniken mit herzchirurgischer Fachabteilung statt.

Eine Fachabteilung ist nicht automatisch für die gesamte Weiterbildungszeit befugt. Vor einer Bewerbung sollten Ärztinnen und Ärzte im Weiterbildungsregister der zuständigen Landesärztekammer prüfen, wer die Befugnis besitzt, welchen zeitlichen Umfang sie abdeckt und welche Kompetenzen am Standort tatsächlich vermittelt werden.

Dauer und Struktur der Facharztweiterbildung Herzchirurgie

Die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer mit Stand 3. Juli 2026 sieht 72 Monate Weiterbildung im Gebiet Chirurgie unter Befugnis vor. Davon:

  • müssen 48 Monate in Herzchirurgie absolviert werden,
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme absolviert werden,
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin absolviert werden,
  • können bis zu 12 Monate zum Kompetenzerwerb in anderen Gebieten erfolgen.

Die bayerische Weiterbildungsordnung in der seit 1. Januar 2026 geltenden Fassung nennt ebenfalls 72 Monate. Sie ordnet die verbleibenden 12 Monate als Kompetenzerwerb im Gebiet Chirurgie und/oder in Notfallaufnahme, Intensivmedizin oder anderen Gebieten ein.

Rechtsverbindlich ist die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer. Übergangsregeln, Anrechenbarkeit, eLogbuch, Befugnisumfang und Richtzahlen sollten deshalb dort geprüft werden.

Weiterbildungsinhalte Herzchirurgie

Die Weiterbildung umfasst allgemeinchirurgische, notfallmedizinische und intensivmedizinische Grundlagen sowie die spezifischen Kompetenzen der Herzchirurgie. Dazu gehören insbesondere:

  • Indikationsstellung und perioperative Betreuung bei herzchirurgischen Eingriffen,
  • Verfahren mit und ohne extrakorporale Zirkulation,
  • Koronar-, Herzklappen- und Aortenchirurgie,
  • Behandlung angeborener Herzfehler,
  • Herzschrittmacher- und Defibrillatorverfahren im herzchirurgischen Kontext,
  • mechanische Herz-Kreislaufunterstützung einschließlich ECMO und Herzassistenzsystemen,
  • Transplantationsmedizin und Immunsuppression,
  • Echokardiographie, bildgebende Befundinterpretation und invasive Diagnostik im Behandlungskonzept,
  • postoperative Intensivmedizin, Komplikationsmanagement und Rehabilitation.

Neben Mindestzeiten sind dokumentierte Kompetenzen und Richtzahlen entscheidend. Eine geeignete Weiterbildungsstelle bietet planbare Rotationen, operative Anleitung, regelmäßiges Feedback und Zugang zum erforderlichen Behandlungsspektrum.

Berufliche Perspektiven

Herzchirurginnen und Herzchirurgen arbeiten vor allem in spezialisierten Kliniken und Herzzentren. Mögliche fachliche Schwerpunkte liegen beispielsweise in Koronarchirurgie, Klappenrekonstruktion, Aortenchirurgie, minimalinvasiven Verfahren, Chirurgie angeborener Herzfehler, Transplantation oder mechanischer Kreislaufunterstützung.

Karrierewege und Vergütung hängen von Berufserfahrung, Position, Tarifbindung, Diensten, Verantwortung und Arbeitgeber ab. Die Facharztanerkennung allein garantiert weder eine bestimmte Stelle noch einen festen Gehaltsaufschlag. Für die Wahl einer Weiterbildungsstelle sind Befugnisumfang, Operationsspektrum, Supervision, Dienstmodell und verlässliche Rotationen besonders wichtig.


Letzte Aktualisierung
02.08.2026
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildgestaltung
Hanna Mimler

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