Die Unbekannten Helden: Häusliche Pflege in Deutschland

Die häusliche Pflege ist das Rückgrat der pflegerischen Versorgung in Deutschland. Die aktuelle Pflegestatistik zeigt, wie viele Menschen zu Hause versorgt werden, wer die Pflege trägt und welche Herausforderungen daraus für Familien und das Versorgungssystem entstehen.

Eine Frau hilft einem Rollstuhlfahrer.

Die häusliche Pflege bleibt weiterhin das Rückgrat der Altenpflege. Millionen Menschen in Deutschland leisten tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag zur Pflege von Angehörigen, und ohne ihren Einsatz würde unser Pflegesystem zusammenbrechen. Diese Tatsache lässt sich anhand der aktuellsten verfügbaren Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes unterstreichen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt weiterhin

Ende 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen im Sinne des SGB XI pflegebedürftig. Das waren rund 730.000 beziehungsweise 15 % mehr als Ende 2021. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beruht der Anstieg nicht allein auf der Alterung, sondern teilweise auch auf Effekten des seit 2017 weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

  • 2023 gab es 16.505 Pflegeheime mit rund 817.700 Beschäftigten.
  • 15.549 ambulante Pflege- und Betreuungsdienste beschäftigten rund 446.400 Menschen.
  • Die Mehrheit der Pflegebedürftigen war 65 Jahre oder älter; rund ein Drittel war mindestens 85 Jahre alt.

Die Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt mehrere Szenarien. Bei konstanten Pflegequoten könnte die Zahl von knapp 5,0 Millionen im Basisjahr 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 und 6,9 Millionen im Jahr 2070 steigen. Bei zunächst weiter steigenden Pflegequoten fallen die Modellwerte höher aus. Langfristige Zahlen sind daher als Szenarien und nicht als sichere Prognosen zu lesen.

86 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt

Im Dezember 2023 wurden 4,9 Millionen Menschen beziehungsweise 86 % aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt.

  • 3,1 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt.
  • Weitere 1,1 Millionen lebten in Privathaushalten und wurden zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste versorgt.
  • Weitere 680.000 Menschen mit Pflegegrad 1 wurden ebenfalls zu Hause versorgt, nutzten aber keine Leistungen von Pflegeheimen oder ambulanten Diensten beziehungsweise ausschließlich landesrechtliche Entlastungsleistungen.
  • Rund 800.000 Menschen beziehungsweise 14 % wurden vollstationär in Pflegeheimen betreut.

61 % der Pflegebedürftigen sind Frauen

Ende 2023 waren 61 % der Pflegebedürftigen weiblich. Das Statistische Bundesamt führt dies unter anderem auf die höhere Lebenserwartung von Frauen und das mit zunehmendem Alter steigende Pflegerisiko zurück.

Insgesamt waren 78 % der Pflegebedürftigen mindestens 65 Jahre alt und 34 % mindestens 85 Jahre alt. Bei den 70- bis 74-Jährigen lag die Pflegequote bei rund 11 %, bei Menschen ab 90 Jahren bei 87 %.

Ausblick: Pflege bleibt eine gesellschaftliche und ökonomische Herausforderung

Die neuesten Daten zur Pflegeentwicklung zeigen, dass wir in den nächsten Jahrzehnten vor erheblichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Eine effektive Versorgung der wachsenden Zahl an Pflegebedürftigen ist ohne ausreichende Unterstützung der häuslichen Pflege kaum möglich; dabei geht es nicht nur um die Erweiterung finanzieller und organisatorischer Hilfen, sondern auch um die Förderung der gesellschaftlichen Wertschätzung dieser essenziellen familiären Aufgabe.

Die Pflege ist ein Arbeitsfeld, das sich nur begrenzt automatisieren lässt, ohne die menschliche Betreuung zu vernachlässigen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, mehr junge Menschen für diese Aufgabe und den entsprechenden Berufsweg zu gewinnen und auszubilden. Dies erfordert zweifellos auch Anstrengungen, um den Beruf finanziell attraktiver zu machen und eine hohe Fluktuation von Pflegekräften zu verhindern.

Die Gleichgültigkeit und Sorglosigkeit gegenüber dem Alter, wie sie bereits die alten Griechen erkannten, führt auf lange Sicht zum gesellschaftlichen Niedergang (Plutarch).

Angesichts der steigenden Zahl von Pflegebedürftigen durch die sich verändernde Altersstruktur ist es eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, den Pflegeberufen die Anerkennung zu geben, die sie verdienen. Eine Gesellschaft, die das Alter nicht wertschätzt und ehrt, wird letztlich an Lebensqualität verlieren. 


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