Zusatzweiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin
Erweitern Sie Ihre medizinische Kompetenz mit der Zusatzweiterbildung "Klinische Akut- und Notfallmedizin". Erfahren Sie alles über den Ablauf, die Voraussetzungen und Inhalte der Weiterbildung und machen Sie den nächsten Schritt in Ihrer beruflichen Karriere.

Spezialgebiet Akut- und Notfallmedizin
Die Zusatzweiterbildung "Klinische Akut- und Notfallmedizin" erweitert die fachärztliche Kompetenz um die Erstdiagnostik und Ersttherapie von Notfall- und Akutpatienten im Krankenhaus. Sie umfasst auch die Indikationsstellung und Koordination weiterführender fachspezifischer Behandlungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Das Ziel der Zusatzweiterbildung besteht darin, die fachliche Kompetenz in der klinischen Akut- und Notfallmedizin zu erlangen. Dies wird durch den Abschluss der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit, die Bearbeitung der festgelegten Weiterbildungsinhalte sowie die Teilnahme an einem Weiterbildungskurs erreicht.
Struktur und Dauer der Zusatzweiterbildung
Voraussetzung nach der Muster-Weiterbildungsordnung mit Stand 3. Juli 2026 ist eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung.
- 6 Monate Intensivmedizin; diese Zeit kann bereits während der Facharztweiterbildung absolviert werden,
- 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in allgemeiner und spezieller Notfallbehandlung,
- 24 Monate Klinische Akut- und Notfallmedizin in einer interdisziplinären Notfallaufnahme unter Befugnis.
Rechtsverbindlich ist die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Anerkennung, Übergangsregeln, Kurs und Befugnis sollten deshalb vor Beginn mit der Kammer geklärt werden.
Weiterbildungsinhalte Akut- und Notfallmedizin
Die folgenden Themen orientieren sich an den Weiterbildungsinhalten der Bayerischen Landesärztekammer; verbindlich sind die Vorgaben der jeweils zuständigen Landesärztekammer.
Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in
- Rechtliche Grundlagen der notfallmedizinischen Behandlung
- Aspekte der Organisation, Ausstattung und Personalplanung von Zentralen Notfallaufnahmen
- Ersteinschätzungssysteme, Triagierung und Scores
- Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern, z. B. Rettungsdienst, KV-Dienst, anderen Fachabteilungen und Fachkliniken
- Sektorenübergreifende Behandlung
- Grundlagen der Verletzungsartenverfahren
- Massenanfall von Notfallpatienten, Pandemieplanung, Grundlagen der Katastrophenmedizin
- Management infektiöser und isolationspflichtiger Notfallpatienten
- Erkennung und Erstbehandlung bei psychosozialen Problemen, Missbrauch und Körperverletzung
- Differentialdiagnostik und Therapieoptionen organbezogener Notfälle
- Kardiovaskuläre Notfälle
- Hämatologische und onkologische Notfälle
- Immunologische Notfälle
- Infektionskrankheiten und Sepsis
- Endokrine und metabolische Notfälle
- Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen
- Gastrointestinale und hepatologische Notfälle
- Respiratorische Notfälle
- Nephrologische und urologische Notfälle
- Dermatologische Notfälle
- Notfälle im Hals-, Nasen- Ohren-, Mund- und Nackenbereich
- Gynäkologische Notfälle
- Muskuloskelettale Notfälle
- Neurologische Notfälle
- Neurochirurgische Notfälle
- Ophthalmologische Notfälle
- Psychiatrische Notfälle und Verhaltensstörungen
- Trauma (stumpf/penetrierend)
- Akute Notfälle durch Umwelteinflüsse, thermische, hyper- und hypobare Exposition und elektrischen Strom
- Besonderheiten der Diagnostik und Therapie im Kindes- und Jugendalter
- Besonderheiten der Diagnostik und Therapie in der Schwangerschaft und gynäkologischen Erkrankungen
- Pharmakotherapie in der Schwangerschaft
- Besonderheiten von Symptomen und Erkrankungen bei geriatrischen Patienten
Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:
- Notfallmäßige Sicherung der Atemwege einschließlich endotrachealer Intubation sowie Algorithmus bei schwieriger Intubation
- Atmungs- und Beatmungsmanagement
- Pleurapunktion und Thoraxdrainage
- Kardiopulmonale Reanimationen bei Erwachsenen und Kindern einschließlich Postreanimationstherapie sowie Temperaturmanagement, auch als Reanimationstraining
- Herz-Kreislauf-Unterstützung und Durchführung von kardialen Maßnahmen einschließlich Anlage von Gefäßzugängen, Schrittmachertherapie, Perikardpunktion
- Sedierung und Analgesie einschließlich Lokal-, Oberflächen- und Regionalanästhesie
- Akutschmerztherapie bei akuten Schmerzen, akuter Exazerbation chronischer Schmerzen und Tumorschmerzen
- Traumaversorgung, insbesondere Frakturruhigstellung, Reposition, Wundversorgung, Verbands- und Gipstechniken
- Polytraumamanagement
- Akutversorgung des Schlaganfalls
- Durchführung und Befunderstellung von Notfalldiagnostik, insbesondere
- EKG
- Notfallsonographie von Abdomen, Thorax, Herz, Gefäßen und Bewegungsapparat
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von Labordiagnostik im Notfall
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen- und CT-Untersuchungen im Notfall
- Maßnahmen bei akuten Intoxikationen
- Maßnahmen bei Ertrinkungsunfall
- Maßnahmen im HNO-Bereich, z. B. Rhinoskopie, Nasentamponade, Otoskopie, Trachealkanülenwechsel
- Maßnahmen am Gastrointestinaltrakt, z. B. Legen von Magensonden, Magenspülung, Aszitespunktion
- Maßnahmen am Urogenitaltrakt, z. B. Anlage transurethraler und suprapubischer Blasenkatheter
- Maßnahmen im Bereich des Muskel- und Skelettsystems, z. B. Abszessspaltung, Gelenkpunktion
- Maßnahmen bei neurologischen Symptomen/Diagnosen, z. B. Liquorpunktion
- Maßnahmen am Auge, z. B. Entfernung von Fremdkörpern, Augenspülung
- Maßnahmen im Bereich Geburtshilfe und Gynäkologie, z. B. notfallmäßige Entbindung (kann durch Simulationen ersetzt werden)
- Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei gynäkologischen und geburtshilflichen Notfällen, insbesondere Extrauteringravidität, Eklampsie, Verletzungen, Blutungen
- Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei Notfällen im Kindes- und Jugendalter, insbesondere Schmerzen, Verbrennungen, Verbrühungen, Intoxikationen, Fieber/Sepsis, schreiendes Baby
- Erstversorgung von Neugeborenen, z. B. Wärmeerhalt, Reanimation (kann durch Simulationen ersetzt werden)
- Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei geriatrischen Patienten, insbesondere bei Delir, Demenz, Medikamenteninteraktionen und Überdosierung
- Koordination und Begleitung des Transports von Schwerstkranken
Gehalt Notfallmedizin in Kliniken
Die Zusatzbezeichnung garantiert weder eine Oberarztposition noch einen festen Gehaltsaufschlag. Maßgeblich sind Tätigkeit, ausdrücklich übertragene Verantwortung, Tarifbindung, Berufserfahrung und Dienste.
Im TV-Ärzte/VKA beträgt das monatliche Tabellenentgelt vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 für Fachärztinnen und Fachärzte in EG II 7.552,19 € bis 9.698,91 € brutto. Für Oberärztinnen und Oberärzte in EG III sind es 9.459,56 € bis 10.810,95 € brutto; EG III setzt die ausdrücklich übertragene medizinische Verantwortung für einen selbstständigen Teil- oder Funktionsbereich voraus.
Bereitschafts- und Rufdienste werden nach den konkreten tariflichen Regeln vergütet. Eine pauschale Gehaltssteigerung von 15 Prozent allein durch die Zusatzweiterbildung lässt sich aus dem Tarifvertrag nicht ableiten.
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