Facharzt-Weiterbildung Neurologie
Die Neurologie verbindet klinische Untersuchung, Akutmedizin und technische Diagnostik. Für die Facharztanerkennung sind in Nordrhein 60 Monate Weiterbildung vorgesehen – einschließlich Psychiatrie und neurologischer Intensivmedizin.

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich auf die Diagnose, Behandlung und Prävention von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems spezialisiert hat. Aufgrund des Alltagsstresses und der alternden Bevölkerung gewinnt sie immer mehr an Bedeutung.
Kurzprofil Neurologie
Historisch gesehen war die Neurologie eng mit der Psychiatrie, Neurochirurgie und Geriatrie verknüpft. Dies wird deutlich, wenn man sich die ehemalige Bezeichnung „Nervenarzt“ betrachtet, welche die Verbindung von Neurologie und Psychiatrie ausdrückt. Inzwischen sind diese Fachgebiete jedoch klar voneinander abgegrenzt. Während die Neurologie sich primär auf die Behandlung von Störungen im zentralen und peripheren Nervensystem fokussiert, widmet sich die Psychiatrie der Diagnose und Therapie von seelischen Erkrankungen.
Ärztestatistik Neurologie
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren zum 31. Dezember 2025 insgesamt 10.541 Ärztinnen und Ärzte mit der Gebietsbezeichnung Neurologie berufstätig. Davon arbeiteten 3.166 ambulant und 6.663 stationär; weitere 712 waren in Behörden, Körperschaften oder sonstigen Bereichen tätig. 5.417 der berufstätigen Neurologinnen und Neurologen waren Frauen.
Im Jahr 2025 wurden 687 Anerkennungen der Facharztbezeichnung Neurologie erteilt, darunter 399 an Ärztinnen. Die Zahlen beschreiben den Bestand und die Anerkennungen eines Jahres, nicht automatisch die Zahl offener Weiterbildungsstellen.
Struktur und Dauer der Facharzt-Weiterbildung
Maßgeblich ist die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Nach der Weiterbildungsordnung 2020 der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharzt-Weiterbildung Neurologie 60 Monate an anerkannten Weiterbildungsstätten unter Befugnis.
- Davon müssen 12 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie absolviert werden.
- 6 Monate entfallen auf die intensivmedizinische Versorgung neurologischer Patientinnen und Patienten.
Die frühere nordrheinische Weiterbildungsordnung enthielt zusätzliche starre Teilzeiten und Anrechnungsregeln, die nicht unverändert auf die aktuelle WBO übertragen werden dürfen. Vor Beginn oder Wechsel einer Stelle sollten Ärztinnen und Ärzte deshalb die aktuelle Kammerordnung, die Befugnis der Weiterbildungsstätte und das elektronische Logbuch prüfen.
Weiterbildungsinhalte Neurologie
Die Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie ist umfassend und vielfältig. Sie zielt darauf ab, den angehenden Neurologen ein tiefgreifendes Verständnis für das Fachgebiet zu vermitteln.
Allgemeine Weiterbildungsinhalte
Während der Weiterbildung erwerben die Assistenzärzte:
- Kenntnisse in der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation neurologischer Krankheitsbilder und Defektzustände.
- Fähigkeiten in der neurologisch-psychiatrischen Anamneseerhebung, unter Berücksichtigung biographischer und psychosozialer Zusammenhänge, psychogener Symptome und somatopsychischer Reaktionen.
- Expertise in der Indikationsstellung und Überwachung von neurologischen, neurorehabilitativen und physikalischen Behandlungsverfahren.
- Wissen über die Indikationsstellung und Auswertung neuroradiologischer Verfahren.
- Erfahrung in der interdisziplinären diagnostischen und therapeutischen Zusammenarbeit, insbesondere mit Berufsgruppen wie Krankengymnastik, Logopädie, Neuropsychologie und Ergotherapie.
- Kenntnisse über soziotherapeutische Maßnahmen und gebietsbezogene Arzneimitteltherapie.
- Und viele weitere spezifische Kompetenzen, von den Grundlagen hereditärer Krankheitsbilder bis hin zur intensivmedizinischen Basisversorgung.
Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren
Um die Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen optimal durchführen zu können, werden den Assistenzärzten auch spezielle Untersuchungs- und Behandlungsverfahren vermittelt:
- Methoden wie Elektroenzephalographie, Elektromyographie und Elektroneurographie.
- Funktionsanalysen bei peripheren und zentralen Bewegungsstörungen.
- Neuro-otologische Untersuchungen, wie experimentelle Nystagmusprovokation und zentrale Tests.
- Verhaltensneurologische und neuropsychologische Testverfahren.
- Sonographische Untersuchungen des Nervensystems und Muskulatur sowie Doppler-/Duplex-Untersuchungen hirnversorgender Gefäße.
- Und zahlreiche weitere spezifische Techniken und Methoden, die für eine ganzheitliche Patientenversorgung im Fachgebiet Neurologie essentiell sind.
Was macht die Neurologie als Fachgebiet attraktiv?
Neurologie verbindet klinische Untersuchung, Akutmedizin, apparative Diagnostik und langfristige Behandlung. Das Spektrum reicht von Schlaganfall, Epilepsie und entzündlichen Erkrankungen bis zu Bewegungsstörungen, Demenzen, Kopfschmerzen und neuromuskulären Erkrankungen.
Attraktiv ist für viele Weiterbildungsärztinnen und -ärzte die Verbindung aus präziser neurologischer Untersuchung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und technischen Verfahren wie EEG, Elektromyografie, Elektroneurografie und Neurosonografie. Je nach Weiterbildungsstätte sind zudem Schwerpunkte in Intensivmedizin, Rehabilitation oder ambulanter Versorgung möglich.
Die bundesweit steigende Zahl berufstätiger Neurologinnen und Neurologen zeigt die Größe des Fachgebiets. Individuelle Karrierechancen hängen dennoch von Region, Weiterbildungsbefugnis, Stellenangebot und gewünschtem Schwerpunkt ab; ein pauschales „starkes Wachstum“ lässt sich daraus nicht für jede Stelle ableiten.
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