Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie
Mehr als zwölf Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen. Die Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie qualifiziert Fachärztinnen und Fachärzte für die interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung komplexer Schmerzkrankheiten.

Die Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie ergänzt eine Facharztkompetenz um die interdisziplinäre Erkennung und Behandlung chronisch schmerzkranker Patientinnen und Patienten.
Chronische Schmerzen sind ein signifikantes medizinisches Problem für sehr viele Menschen. Etwa 17% aller Deutschen sind von chronischen Schmerzen geplagt, mit erheblichen Auswirkungen auf ihre Lebens- und Arbeitsfähigkeit.
Die Zusatz-Weiterbildung setzt eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung voraus. Gerade der Blick verschiedener Fachrichtungen unterstützt die interdisziplinäre Behandlung komplexer chronischer Schmerzen.
Ärztestatistik Spezielle Schmerztherapie
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren zum 31. Dezember 2025 bundesweit 6.047 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie berufstätig. Davon arbeiteten 2.551 ambulant und 3.025 stationär; weitere 471 waren bei Behörden, Körperschaften oder in sonstigen Bereichen tätig.
Die Deutsche Schmerzgesellschaft geht von mehr als zwölf Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen in Deutschland aus. Chronische Schmerzen können körperliche, psychische und soziale Folgen haben und erfordern häufig eine fachübergreifende Behandlung.
Typologie der Schmerzerkrankungen
Schmerzerkrankungen können viele Formen annehmen und betreffen unterschiedliche Bereiche des Körpers. Jede Schmerzerkrankung hat eigene Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze, die spezifisches Fachwissen erfordern.
Überblick über die gängigsten Typen von Schmerzerkrankungen:
Rückenschmerzen: Diese sind oft durch Fehlhaltungen oder Überlastungen verursacht und können sehr schnell und schmerzhaft chronisch werden.
Kopfschmerzen: Hierzu zählen verschiedene Arten wie Migräne und Spannungskopfschmerzen, die oft durch eine Kombination unterschiedlichster somatischer und psychischer Faktoren ausgelöst werden.
Nervenschmerzen: Diese entstehen meistens durch eine Verletzung oder Erkrankung der Nerven, beispielsweise eine Neuropathie.
Tumorschmerzen: Diese Schmerzen werden durch das Wachstum von Tumoren ausgelöst, die Druck auf Organe und Nerven ausüben.
Gelenkschmerzen: Diese sind oft ein Symptom von Erkrankungen wie Arthritis oder Arthrose.
Magen-Darm-Schmerzen: Verschiedene Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom oder Gastritis können diese Art von Schmerzen verursachen.
Chronische primäre Schmerzen: Bei diesen Krankheitsbildern werden biologische, psychische und soziale Einflussfaktoren gemeinsam betrachtet. Die Beschwerden sind real und sollten nicht als „nur seelisch“ abgewertet werden.
Fibromyalgie-Syndrom: Diese Erkrankung ist durch weitverbreitete Schmerzen im Muskelgewebe und Erschöpfung gekennzeichnet.
Unterbauchschmerz der Frau: Diese Schmerzen werden häufig durch Erkrankungen wie Endometriose ausgelöst.
Endometriose und Schmerz: Diese spezifische Erkrankung bei Frauen ist durch schmerzhafte Menstruationszyklen gekennzeichnet.
Mund- und Gesichtsschmerzen: Diese können durch Zahnprobleme, aber auch durch Erkrankungen wie Trigeminusneuralgie verursacht werden.
Phantomschmerzen: Hierbei handelt es sich um Schmerzempfindungen in einem bereits amputierten Körperteil.
Komplex Regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Diese Erkrankung tritt oft nach Verletzungen auf und ist durch anhaltende, starke Schmerzen gekennzeichnet.
Restless Legs Syndrom und Schmerz: Bei diesem Syndrom leiden die Betroffenen unter unruhigen Beinen, die oft von Schmerzen begleitet sind.
Syringomyelie und Schmerz: Diese chronische Erkrankung verursacht Schmerzen durch die Bildung eines Hohlraums im Rückenmark.
Schmerztherapie Weiterbildung: Dauer und Lerninhalte
Die Zusatz-Weiterbildung setzt eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung voraus. Nach der Muster-Weiterbildungsordnung umfasst sie zwölf Monate Spezielle Schmerztherapie an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte sowie zusätzlich 80 Stunden Kurs-Weiterbildung. Maßgeblich bleibt die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer.
Dazu gehören:
- Erhebung einer standardisierten Schmerzanamnese einschließlich der Auswertung von Fremdbefunden
- Schmerzanalyse sowie differentialdiagnostische Abklärung unter Berücksichtigung psychologischer und arbeitsmedizinischer Aspekte
- Psychosomatische Diagnostik bei chronischen Schmerzpatienten
- Eingehende Beratung des Patienten und Festlegung der Therapieziele
- Invasive und nichtinvasive Methoden der Akutschmerztherapie
- Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren
- Schmerzbewältigungstraining inklusive Entspannungsverfahren
- Aufstellung eines gestuften Therapieplans und interdisziplinäre Koordination
- Standardisierte Dokumentation des Behandlungsverlaufs
- Medikamentöse Kurzzeit-, Langzeit- und Dauertherapie sowie terminale Behandlungsphasen
Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:
- Spezifische Pharmakotherapie
- Multimodale Therapie in interdisziplinärer Zusammenarbeit
- Diagnostische und therapeutische Lokal- und Leitungsanästhesien
- Stimulationstechniken, z.B. transkutane elektrische Nervenstimulation
- Spezifische Verfahren der manuellen Diagnostik und physikalischen Therapie
Je nach Fachgebiet können zusätzlich behandelt werden:
- Entzugsbehandlung bei Medikamentenabhängigkeit (konservative Weiterbildung)
- Denervations- und/oder augmentative Verfahren wie Neurolyse, zentrale Stimulation (operative Weiterbildung)
- Interventionelle Verfahren wie plexus- und rückenmarksnahe Verfahren, Spinal Cord Stimulation und Sympathikusblockaden (konservativ-interventionelle Weiterbildung)
Gehalt während der Zusatzweiterbildung
Im Geltungsbereich des TV-Ärzte/VKA beträgt das monatliche Tabellenentgelt für Fachärztinnen und Fachärzte vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 in Entgeltgruppe II 7.552,19 Euro brutto in Stufe 1 und 8.185,40 Euro brutto nach drei vollendeten Jahren in der Entgeltgruppe, also ab dem vierten Jahr. Andere Tarifverträge oder individuelle Vereinbarungen können abweichen.
Berufliche Perspektiven in der Schmerztherapie
Angesichts der hohen Zahl von Menschen mit chronischen Schmerzen besteht ein anhaltender Bedarf an qualifizierter schmerzmedizinischer Versorgung.
Die Spezielle Schmerztherapie ist insbesondere für Fachärztinnen und Fachärzte aus Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung eine fachlich relevante Ergänzung und eröffnet Einsatzmöglichkeiten in ambulanten, stationären und interdisziplinären Versorgungsstrukturen.
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