Wie Neurodermitis entsteht, sich zeigt und behandelt werden kann

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Stress kann Beschwerden verstärken, gilt aber nicht als alleinige Ursache. Basispflege und eine stufengerechte Behandlung helfen, Schübe zu kontrollieren.

Die Illustration zeigt eine Hand die die andere an Neurodermitis erkrankte Hand kratzt.

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Typisch sind trockene Haut, Ekzeme und starker Juckreiz. Eine regelmäßige Basispflege ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung.

Der Blogpost informiert über Diagnose, Behandlung und Ursachen von Neurodermitis. Er richtet sich an Betroffene und Interessierte.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis, atopische Dermatitis und atopisches Ekzem bezeichnen dieselbe chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Andere Ekzemformen können ähnlich aussehen, haben aber andere Auslöser und werden entsprechend anders behandelt.

Wichtig zu wissen:

  • Neurodermitis tritt oft in Schüben auf.
  • Stress und Allergene können Auslöser sein.
  • Es gibt keine Heilung, aber effektive Therapien.
  • Gute Hautpflege ist essenziell.
  • Ein Hautarzt kann eine genaue Diagnose stellen.

Abgrenzung zu anderen Ekzemen

Der Begriff „atopisch“ verweist auf eine Veranlagung zu Überempfindlichkeitsreaktionen. Nicht jede Neurodermitis geht jedoch mit einer nachgewiesenen Allergie einher. Andere Ekzemformen können mit Neurodermitis verwechselt werden.

Dazu gehören:

  • Seborrhoisches Ekzem: Auffällig durch fettige, schuppige Haut, oft im Gesicht und auf der Kopfhaut.
  • Kontaktdermatitis: Entsteht durch direkten Kontakt mit irritierenden Substanzen oder Allergenen.
  • Dyshidrotisches Ekzem: Charakterisiert durch kleine Bläschen an Händen oder Füßen.

Wie häufig ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen weltweit. Die Prävalenz variiert je nach Region, Altersgruppe und anderen demografischen Faktoren. Nach Angaben von Gesundheitsinformation.de sind etwa 10 bis 20 % der Kinder und schätzungsweise 2 bis 5 % der Erwachsenen betroffen.

In den letzten Jahrzehnten wurde ein Anstieg der Neurodermitis-Fälle beobachtet, insbesondere in urbanen Gebieten und entwickelten Ländern. Studien zeigen auch, dass die Erkrankung häufig im Kindesalter beginnt und bei einigen Individuen im Erwachsenenalter abklingen kann.

Neurodermitis-Symptome 

Neurodermitis zeigt sich durch trockene, raue, rissige und häufig schuppende Haut. Starker Juckreiz kann zu Kratzverletzungen, Blutungen und Hautinfektionen führen.

Symptome der Neurodermitis:

  • Trockene, raue und rissige Hautoberfläche mit Schuppenbildung.
  • Akutes Entzündungsstadium: Haut ist angeschwollen, tiefrot, nässt und bildet stark juckende Bläschen.
  • Chronisches Stadium: Haut schuppt, vergröbertes Oberflächenrelief (Lichenifikation), Rötung, Schwellung und starker Juckreiz.
  • Durch Kratzen können offene oder blutige Stellen entstehen; dadurch steigt das Risiko für bakterielle oder virale Hautinfektionen.

Formen der Neurodermitis und ihre Symptome:

  • Milchschorf: Gelblich-weiße Krusten, meist bei Säuglingen, vor allem an Wangen und behaarter Kopfhaut.
  • Beugenekzeme: Rötungen und Flechtenbildung an Kniekehle, Ellenbogen, Händen, Hals und Nacken.
  • Prurigo nodularis: Stark zerkratzte Knoten, die am ganzen Körper auftreten können, meist bei Erwachsenen.

Ursachen und Risikofaktoren für Neurodermitis

Die Entstehung von Neurodermitis ist multifaktoriell und nicht abschließend geklärt. Eine erbliche Veranlagung, Veränderungen der Hautbarriere und fehlgesteuerte Immunreaktionen spielen zusammen. Reizstoffe, Allergene oder Stress können bei manchen Betroffenen Schübe verstärken, gelten aber nicht pauschal als Ursache der Erkrankung. Eine individuelle Diagnose und Behandlungsplanung durch einen Arzt ist notwendig, um die spezifischen Auslöser und passende Therapieoptionen zu ermitteln.

Genetische Faktoren: Es gibt Hinweise auf mehrere Gene, die eine Rolle spielen können. Ein spezielles Gen kann beispielsweise die Produktion des Proteins Filaggrin hemmen, das für die Hautfeuchtigkeit wichtig ist.

Familiäre Veranlagung: Bei vorhandener Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen in der Familie steigt das Risiko. Bei einem betroffenen Elternteil liegt die Wahrscheinlichkeit für die Krankheit bei 20-40%, bei zwei betroffenen Elternteilen bei 60-80%.

Immunsystem: Eine Überreaktion des Immunsystems führt zur Ausschüttung von Immunglobulin E und Histaminen, die Entzündungen und Juckreiz verursachen.

Hautbarriere: Eine geschwächte Hautbarriere erleichtert das Eindringen von Allergenen und Krankheitserregern, was Entzündungen begünstigt.

Umwelt und Lebensstil: Textilien wie Wolle, häufiges Waschen mit Seife, Tabakrauch, bestimmte Lebensmittel und Klimabedingungen können die Haut reizen.

Psychische Faktoren: Stress kann zu Schüben führen.

Hormonelle Faktoren: Hormonschwankungen, etwa durch Menstruation oder Schwangerschaft, können die Krankheit beeinflussen.

Infektionen: Bakterielle und virale Infektionen der Haut oder der Atemwege können ebenfalls Schübe auslösen.

Häufiges Waschen und reizende Produkte: Wasser, Seife und Desinfektionsmittel können die Hautbarriere zusätzlich austrocknen und Beschwerden verstärken.

Stress und psychische Belastungen bei Neurodermitis

Stress ist keine alleinige Ursache der Neurodermitis. Er kann bei manchen Menschen jedoch den Juckreiz verstärken oder einen Schub begünstigen. Umgekehrt können sichtbare Hautveränderungen, Schlafmangel und anhaltender Juckreiz psychisch belasten. So kann ein Kreislauf aus Juckreiz, Kratzen und zusätzlichem Stress entstehen.

Entspannungsverfahren, verhaltenstherapeutische Ansätze oder psychologische Unterstützung können ergänzend sinnvoll sein, wenn Stress, Kratzverhalten, Schlafprobleme, Angst oder Depression den Alltag stark beeinträchtigen. Sie ersetzen nicht die dermatologische Behandlung.

Behandlung von Neurodermitis

Die Behandlung von Neurodermitis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist eine dauerhafte Heilung meist nicht möglich. Die Behandlung umfasst:

Topische Therapie: Cremes und Salben mit Kortikosteroiden oder Calcineurininhibitoren können Entzündungen und Juckreiz mindern.

Feuchtigkeitstherapie: Feuchtigkeitscremes und -salben tragen dazu bei, die Hautbarriere zu stärken und die Trockenheit zu lindern.

Systemische Therapie: Bei mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis können Tabletten oder Spritzen infrage kommen. Die Auswahl richtet sich nach Alter, Schweregrad, Begleiterkrankungen und bisherigen Behandlungen. Antihistaminika helfen gegen den Neurodermitis-Juckreiz häufig nicht ausreichend und sind keine allgemeine Standardtherapie.

Lichttherapie: UV-Bestrahlung kann in einigen Fällen helfen, allerdings ist diese Methode nicht für alle Patienten geeignet.

Verhaltensmaßnahmen: Stressmanagement und psychologische Unterstützung können dabei helfen, Auslöser der Erkrankung zu identifizieren und besser damit umzugehen.

Auslöser gezielt meiden: Reizende Textilien oder ungeeignete Hautpflegeprodukte können gemieden werden. Lebensmittel sollten nur bei ärztlich bestätigter Allergie und nach fachlicher Beratung dauerhaft weggelassen werden.

Eine individualisierte Behandlung, die die spezifischen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt, ist für eine erfolgreiche Therapie entscheidend.

Wer kann helfen bei Neurodermitis?

Die Versorgung und Behandlung von Neurodermitis erfordert häufig ein multidisziplinäres Team, um die verschiedenen Aspekte der Erkrankung abzudecken. 

Hier sind einige Fachleute und Institutionen, die in der Behandlung und Betreuung involviert sein können:

Hautarzt (Dermatologe): Der erste Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlungsplanung. Der Hautarzt kann Medikamente verschreiben und Therapieempfehlungen geben.

Allergologe: Bei allergischen Komponenten der Neurodermitis kann ein Allergologe weiterführende Tests und Behandlungen durchführen.

Kinderarzt: Bei Neurodermitis im Kindesalter ist die frühzeitige Diagnose und Behandlung durch einen Kinderarzt wichtig.

Ernährungsfachkraft: Kann bei ärztlich bestätigten Lebensmittelallergien helfen, eine ausgewogene Auslassdiät zu planen.

Psychologe/Psychiater: Da Stress und psychische Faktoren die Symptome verschlimmern können, kann eine psychologische Beratung oder Therapie hilfreich sein.

Hautkliniken und Spezialzentren: In komplexen oder schwer zu behandelnden Fällen können diese spezialisierten Einrichtungen notwendig sein.

Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen kann wertvolle Tipps und emotionalen Halt bieten.

Fazit

Neurodermitis ist eine weit verbreitete Hauterkrankung, die für die Betroffenen nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastend sein kann. Da die Symptome in der Regel optisch sichtbar sind, stellt dies für viele Patienten ein Problem im sozialen Umgang dar. 

Obwohl die genauen Ursachen der Erkrankung bislang nicht vollständig geklärt sind, zeigt die Forschung, dass sowohl genetische als auch umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen. 

Stress und psychische Belastungen können Beschwerden verstärken, sind aber nicht die alleinige Ursache der Erkrankung. Eine sorgfältige Basispflege, eine stufengerechte medizinische Behandlung und der gezielte Umgang mit individuell bestätigten Auslösern können die Lebensqualität verbessern.


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