Gehalt Chirurgie: Was verdient man in der Chirurgie?

Als größtes medizinisches Fachgebiet mit acht Teildisziplinen liegt der Schwerpunkt der Chirurgie in der stationären Medizin. Die Gehälter in Krankenhäusern und Kliniken sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Auch in der niedergelassenen Medizin sind die Einkommen attraktiv.

Die Illustration zeigt einen Chirurg der sich den Kopfschutz bindet.

Die Chirurgie ist das größte medizinische Fachgebiet. Chirurgen und Chirurginnen führen sowohl offene als auch minimal-invasive Eingriffe durch. Minimal-invasive Operationstechniken gewinnen zunehmend an Bedeutung.  Die durchgeführten Operationen reichen von der Entfernung erkrankter Organe bis zur Implantation von Prothesen.

Das Fachgebiet unterteilt sich in 8 Teildisziplinen, die sich auf unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte konzentrieren. Chirurgen und Chirurginnen absolvieren eine gemeinsame Basisweiterbildung. Der Fachbegriff dafür ist Common Trunk oder Basisweiterbildung Chirurgie.

Dieser Blogpost bietet einen detaillierten Überblick über Gehaltsstrukturen in verschiedenen chirurgischen Fachdisziplinen, das Einkommen von niedergelassenen Ärzten und berufliche Perspektiven im Bereich der Chirurgie.

Weiterbildung im Gebiet Chirurgie

Die konkrete Facharztweiterbildung richtet sich nach der Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer dient als Vorlage, ist aber nicht selbst rechtsverbindlich. Sie beschreibt für die chirurgischen Facharztkompetenzen jeweils eigene Weiterbildungszeiten und Pflichtanteile; eine bundesweit einheitliche, für alle Fächer identische 24-monatige „Common-Trunk“-Phase lässt sich daraus nicht ableiten.

Zu den gemeinsamen Inhalten gehören unter anderem die Diagnostik und Behandlung chirurgischer Erkrankungen und Verletzungen, Notfallversorgung, perioperative Betreuung sowie operative Basiskompetenzen. Welche Zeiten in Notaufnahme, Intensivmedizin und anderen chirurgischen Gebieten nachzuweisen sind, hängt von der gewählten Facharztbezeichnung und der geltenden Kammerordnung ab.

Facharztbezeichnungen im Gebiet Chirurgie

Die aktuelle Muster-Weiterbildungsordnung führt acht Facharztbezeichnungen. Für alle nennt sie eine Weiterbildungszeit von 72 Monaten im Gebiet Chirurgie, jedoch mit unterschiedlichen Pflichtanteilen und Kompetenzanforderungen:

  • Allgemeinchirurgie
  • Gefäßchirurgie
  • Herzchirurgie
  • Kinder- und Jugendchirurgie
  • Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
  • Thoraxchirurgie
  • Viszeralchirurgie

Allgemeinchirurgie: umfasst ein breites Spektrum operativer und konservativer Versorgung; verpflichtende Zeiten sind unter anderem in Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Viszeralchirurgie vorgesehen.

Gefäßchirurgie: konzentriert sich auf Erkrankungen des Gefäßsystems und deren konservative, interventionelle und operative Behandlung.

Herzchirurgie: umfasst operative Eingriffe am Herzen und an herznahen Gefäßen, einschließlich der perioperativen Versorgung.

Kinder- und Jugendchirurgie: behandelt chirurgische Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen im Kindes- und Jugendalter.

Orthopädie und Unfallchirurgie: befasst sich mit Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats, einschließlich Gelenkersatz und Frakturversorgung.

Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie: umfasst wiederherstellende, handchirurgische, verbrennungsmedizinische und ästhetische Verfahren.

Thoraxchirurgie: behandelt insbesondere Erkrankungen von Lunge, Brustkorb und Mediastinum operativ.

Viszeralchirurgie: konzentriert sich auf die operative Behandlung der inneren Organe, vor allem im Bauchraum.

Interessierte sollten stets die aktuelle Weiterbildungsordnung ihrer Landesärztekammer und die Befugnisse der konkreten Weiterbildungsstätte prüfen.

Gehalt zu Beginn der Facharztweiterbildung Chirurgie

In kommunalen Krankenhäusern erfolgt die Vergütung bei entsprechender Tätigkeit nach Entgeltgruppe I des TV-Ärzte/VKA.

Für Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Tätigkeit (Entgeltgruppe I) gilt im TV-Ärzte/VKA vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 folgende monatliche Bruttovergütung:

  • 1. Jahr: 5.722,05 €
  • 2. Jahr: 6.046,42 €
  • 3. Jahr: 6.278,07 €
  • 4. Jahr: 6.679,58 €
  • 5. Jahr: 7.158,37 €
  • 6. Jahr: 7.355,29 €

Bereitschafts- und Rufdienste werden gesondert vergütet. Ihre tatsächliche Auswirkung hängt unter anderem von Zahl, Dauer, Zeitpunkt und Belastungsstufe der Dienste ab.

Gehalt in der weiteren Facharztweiterbildung Chirurgie

Auch im weiteren Verlauf der Weiterbildung bleibt bei entsprechender ärztlicher Tätigkeit die Entgeltgruppe I maßgeblich. Die Stufen steigen nach den tariflichen Tätigkeitsjahren; ein Wechsel des chirurgischen Weiterbildungsabschnitts führt nicht automatisch in eine andere Entgeltgruppe.

Fachärzte/Fachärztinnen Chirurgie: Gehälter in Krankenhäusern

Fachärztinnen und Fachärzte mit entsprechender Tätigkeit sind im TV-Ärzte/VKA der Entgeltgruppe II zugeordnet. Vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 gelten monatlich brutto:

  • im 1. bis 3. Jahr: 7.552,19 €
  • nach drei Jahren, ab dem 4. Jahr: 8.185,40 €
  • ab dem 7. Jahr: 8.741,40 €
  • ab dem 9. Jahr: 9.065,74 €
  • ab dem 11. Jahr: 9.382,33 €
  • ab dem 13. Jahr: 9.698,91 €

Die reguläre Stufenfolge ist von der tariflichen Anerkennung einschlägiger Vorzeiten zu unterscheiden.

Oberärztliche Tätigkeit

Die Bezeichnung allein entscheidet nicht über die Eingruppierung: Entgeltgruppe III setzt die ausdrückliche Übertragung medizinischer Verantwortung für einen selbstständigen Teil- oder Funktionsbereich voraus. Vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 gelten monatlich brutto:

  • Oberarzt, im 1. bis 3. Jahr: 9.459,56 €
  • Oberarzt, nach drei Jahren: 10.015,53 €
  • Oberarzt, ab dem 7. Jahr: 10.810,95 €
  • Leitender Oberarzt, im 1. bis 3. Jahr: 11.127,50 €
  • Leitender Oberarzt, nach drei Jahren: 11.922,95 €

Entgeltgruppe IV setzt die dauerhafte Vertretung des Chefarztes in der Gesamtheit seiner Aufgaben voraus; in der Regel ist nur eine Person je Klinik dieser Gruppe zugeordnet.

Gehälter leitender Chirurgen/-ärztinnen in Kliniken

Chefärztliche Vergütungen werden üblicherweise außertariflich und individuell vereinbart. Verantwortungsumfang, Klinikgröße, chirurgisches Leistungsspektrum und variable Komponenten können die Höhe beeinflussen. Amtliche Daten belegen jedoch keine allgemeingültige Spanne speziell für chirurgische Chefärztinnen und Chefärzte oder für die Rehabilitation.

Einkommen von niedergelassenen Chirurgen/-ärztinnen

Die Kostenstrukturstatistik 2023 des Statistischen Bundesamtes unterscheidet Orthopädie und Unfallchirurgie von der Gruppe Chirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Neurochirurgie. Bei Orthopädie und Unfallchirurgie lagen die mittleren Einnahmen je Praxis bei 919.000 Euro, die Aufwendungen bei 549.000 Euro und der Reinertrag bei 370.000 Euro. Für die zusammengefasste Gruppe Chirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Neurochirurgie wurden im Mittel 748.000 Euro Einnahmen, 462.000 Euro Aufwendungen und 286.000 Euro Reinertrag ausgewiesen.

Diese Praxiswerte sind nicht mit dem persönlichen Nettoeinkommen gleichzusetzen. Der Reinertrag kann auf mehrere Inhaberinnen und Inhaber entfallen; persönliche Steuern und Vorsorge sind daraus noch zu bestreiten.


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