Facharzt-Weiterbildung: Thoraxchirurgie

Thoraxchirurgie ist ein Spezialbereich der Chirurgie für Erkrankungen und Eingriffe im Brustkorb außerhalb des Herzens. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit insbesondere mit Pneumologie, Onkologie, Radiologie, Anästhesiologie sowie je nach Fall Kardiologie und Herzchirurgie ist dabei zentral.

Die Illustration zeigt einen Chirurg bei einer Operation

Thoraxchirurgen arbeiten hauptsächlich in spezialisierten Abteilungen von Krankenhäusern und chirurgischen Zentren. Dieser Blogpost bietet einen Überblick über die Arbeitsbereiche der Thoraxchirurgie, präsentiert aktuelle Ärztestatistiken für Deutschland und informiert detailliert über die Facharzt-Weiterbildung in Struktur, Dauer und Inhalt.

Thoraxchirurgie: Arbeitsschwerpunkte 

Der Begriff "Thorax" stammt aus dem Griechischen und bezeichnet den Brustkorb, der die Lunge und das Herz enthält.

Arbeitsschwerpunkte der Thoraxchirurgie sind:

  • Lungenchirurgie: Entfernung von Tumoren, Lungenlappenresektionen, Behandlung von Lungenemphysem.
  • Mediastinale Chirurgie: Entfernung von Zysten und Tumoren im Mediastinum.
  • Chirurgie der Brustwand: Korrektur von Deformitäten wie Trichterbrust oder Kielbrust.
  • Chirurgie des Zwerchfells: Reparatur von Zwerchfellhernien.
  • Pleurachirurgie: Entfernung von Pleuraergüssen oder Tumoren der Pleura.

Schnittstellen zu anderen medizinischen Fachbereichen

Die Arbeitsbereiche von Thoraxchirurgen sind komplex. Thoraxchirurgen arbeiten daher eng mit verschiedenen anderen medizinischen Fachbereichen zusammen, um eine umfassende Patientenversorgung zu gewährleisten. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Versorgung und optimiert das Behandlungsergebnis für den Patienten.

Wichtige Schnittstellen zu anderen medizinischen Fachbereichen sind:

Anästhesiologie: Vor, während und nach der Operation ist die Zusammenarbeit mit Anästhesisten essentiell für die Patientensicherheit.

Kardiologie und Herzchirurgie: Bei Erkrankungen mit Überschneidungen zu Herz und großen Gefäßen ist eine enge interdisziplinäre Abstimmung erforderlich; eigenständige Herzoperationen gehören nicht zum typischen Kerngebiet der Thoraxchirurgie.

Pulmologie: Bei Erkrankungen der Lunge kooperieren Thoraxchirurgen eng mit Pulmologen zur optimalen Diagnostik und Behandlung.

Onkologie: Bei der Behandlung von Tumoren im Brustbereich ist die Zusammenarbeit mit Onkologen für die Therapieplanung und -umsetzung wichtig.

Radiologie: Bildgebende Verfahren sind entscheidend für die Diagnose und Operationsplanung; daher ist eine enge Kooperation mit Radiologen erforderlich.

Intensivmedizin: Postoperativ werden viele Patienten auf der Intensivstation betreut, weshalb die Abstimmung mit Intensivmedizinern wichtig ist.

Allgemeinchirurgie: In einigen Fällen können Schnittstellen zur Allgemeinchirurgie bestehen, besonders wenn multiple Organsysteme betroffen sind.

Thoraxchirurgie: Ärztestatistik

Die Thoraxchirurgie ist ein hoch spezialisiertes und überwiegend stationäres Fach. Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31. Dezember 2025 waren 533 Fachärztinnen und Fachärzte für Thoraxchirurgie ärztlich tätig. Davon arbeiteten 503 im stationären und 15 im ambulanten Bereich; weitere Tätigkeitsbereiche werden in der Statistik separat ausgewiesen.

128 der 533 ärztlich Tätigen waren Frauen. Bei den 2025 neu anerkannten Facharztbezeichnungen entfielen 17 von 46 Anerkennungen auf Frauen. Die Zahlen beschreiben die bundesweite Struktur, nicht die regionale Verfügbarkeit einzelner Weiterbildungsstellen.

Facharzt-Weiterbildung Thoraxchirurgie

Die in Deutschland rechtsverbindlichen Anforderungen legt die jeweilige Landesärztekammer fest. Die aktuelle Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer sieht für Thoraxchirurgie insgesamt 72 Monate Weiterbildung vor.

  • 48 Monate müssen in der Thoraxchirurgie abgeleistet werden.
  • 6 Monate sind in der Notfallaufnahme vorgesehen.
  • 6 Monate sind in der Intensivmedizin vorgesehen.
  • Zum Kompetenzerwerb können bis zu 12 Monate in anderen Gebieten angerechnet werden.

Die Weiterbildung muss an zugelassenen Weiterbildungsstätten unter befugter Leitung erfolgen und wird im Logbuch dokumentiert. Vor der Planung sollten Ärztinnen und Ärzte deshalb immer die aktuelle Weiterbildungsordnung und die Befugnisse ihrer zuständigen Landesärztekammer prüfen.

Weiterbildungsinhalte

Die Weiterbildung zum Facharzt für Thoraxchirurgie stellt spezifische Anforderungen an den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in diversen medizinischen und chirurgischen Bereichen. Diese reichen von der Prävention und Behandlung thorakaler Erkrankungen bis hin zu spezialisierten operativen Eingriffen und der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Erwerb von Kennt­­nis­­sen, Erfah­run­­gen und Fertig­kei­ten in

  • der Vorbeu­gung, Erken­nung, opera­ti­ven und konser­va­ti­ven Behand­lung und Nach­sorge von Erkran­kun­gen einschließ­lich Neopla­sien, Infek­ti­o­nen, Verlet­zun­gen und Fehl­bil­dun­gen der Lunge, der Pleura, des Tracheo-Bron­chi­al­sys­tems, des Medias­tin­ums, der Thorax­wand, des Zwerch­fells und der jeweils angren­zen­den Struk­tu­ren einschließ­lich der Reha­bi­li­ta­tion
  • opera­ti­ven Eingrif­fen am Herzen im Zusam­men­hang mit thora­x­chir­ur­gi­schen Opera­ti­o­nen
  • der Indi­ka­ti­ons­stel­lung zur opera­ti­ven und konser­va­ti­ven Behand­lung einschließ­lich der Risi­koein­schät­zung und progno­s­ti­schen Beur­tei­lung
  • den zur Versor­gung im Notfall erfor­der­li­chen, gefä­ß­chir­ur­gi­schen, unfall­chir­ur­gi­schen, viszeral­chir­ur­gi­schen und allge­mein­chir­ur­gi­schen Maßnah­men in inter­dis­zi­pli­närer Zusam­me­n­a­r­beit
  • der opera­ti­ven Tumorchir­ur­gie einschließ­lich pallia­tiv­me­di­zi­ni­scher und schmerz­the­ra­peu­ti­scher Maßnah­men
  • der Erhe­bung einer intra­ope­ra­ti­ven radio­lo­gi­schen Befund­kon­trolle unter Berück­sich­ti­gung des Strah­len­schut­zes
  • der Planung und Durch­füh­rung multi­mo­da­ler Thera­pie­kon­zepte bei Tumor­pa­ti­en­ten in inter­dis­zi­pli­närer Zusam­me­n­a­r­beit sowie Durch­füh­rung von Früh­er­ken­nungs- und Nach­sor­ge­maß­nah­men zur Tumor- und Rezi­di­ver­ken­nung
  • Tech­ni­ken mini­mal-inva­si­ver Chir­ur­gie

Defi­­nierte Unter­­su­chungs- und Behan­d­­lungs­­­ver­­fah­ren:

  • –sono­gra­phi­sche Unter­su­chun­gen der Thora­x­or­gane (ohne Herz)
  • diagno­s­ti­sche und thera­peu­ti­sche Endo­sko­pien, z. B. Tracheo-Bron­cho­sko­pie, Thora­ko­sko­pie, Ösopha­go­sko­pie
  • opera­tive Eingriffe einschließ­lich mini­mal-inva­si­ver Tech­ni­ken
    • an Kopf und Hals, z. B. Tracheo­to­mie, Medias­ti­no­sko­pie
    • am Medias­ti­num und Ösopha­gus, z. B. Dissek­tion der medias­ti­na­len Lymph­kno­ten, Tumor­re­sek­tion, Thymek­to­mie, ösopha­gotra­che­ale Fisteln, Verlet­zun­gen des Ösopha­gus
    • an der Thorax­wand, z. B. Verlet­zun­gen, Brust­wandre­sek­tion, Thora­ko­plas­tik, Korrek­tur­plas­tik
    • an der Lunge, auch auf thora­ko­sko­pi­schem Weg, z. B. Keil­re­sek­tion, Laser­re­sek­tion, Segmen­t­re­sek­tion, Lobek­to­mie, Pneu­mo­nek­to­mie
    • erwei­terte Eingriffe an der Lunge, z. B. intra­pe­ri­kar­di­ale Gefä­ß­ver­sor­gung, Vorhof­teil­re­sek­tion, Peri­kard- und Zwerch­fell­re­sek­tion, plas­ti­sche Opera­ti­o­nen am Tracheo­bron­chial- und Gefä­ß­baum
    • video­tho­ra­ko­sko­pi­sche Eingriffe, z. B. Pleu­rek­to­mie, Keil­re­sek­tion, Sympa­thek­to­mie, Biop­sien
    • an der Pleura, auch auf thora­ko­sko­pi­schem Weg, z. B. Dekor­ti­ka­ti­o­nen bei Tumo­ren, Schwie­len und Empye­men
    • Eingriffe bei thora­ka­len Verlet­zun­gen

Spezialisierungsoptionen nach Abschluss der Fachweiterbildung

Nach dem Abschluss der Facharztweiterbildung in der Thoraxchirurgie gibt es mehrere Optionen zur Spezialisierung, die oft eine zusätzliche Weiterbildung zur Folge haben.

Onkologische Thoraxchirurgie: Fokus auf die chirurgische Behandlung thorakaler Tumoren.

Pädiatrische Thoraxchirurgie: Spezialisierung auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit thorakalen Erkrankungen.

Minimale Invasive Thoraxchirurgie: Anwendung minimal-invasiver Techniken für Eingriffe im Brustbereich.

Thorakale Gefäßchirurgie: Fokus auf Erkrankungen der thorakalen Gefäße, einschließlich Aortenchirurgie.

Transplantationschirurgie: Spezialisierung auf die Transplantation von thorakalen Organen wie Herz und Lunge.

Intensivmedizin: Zusatzausbildung in der Betreuung von schwerkranken Patienten im postoperativen Bereich oder auf der Intensivstation.

Forschung und Lehre: Akademische Laufbahn mit Forschungsfokus im Bereich der Thoraxchirurgie.

Interdisziplinäre Zentren: Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten wie Kardiologie, Pneumologie oder Onkologie in spezialisierten Zentren.

Roboterassistierte Chirurgie: Anwendung robotergestützter Systeme für komplexe thorakale Eingriffe.

Thoraxchirurgie: Berufliche Perspektiven

Die Thoraxchirurgie ist ein kleiner, jedoch hoch spezialisierter Bereich der Chirurgie. Die beruflichen Möglichkeiten konzentrieren sich vornehmlich auf große Krankenhäuser, Universitätskliniken und spezialisierte Herzzentren.

Aufgrund der Spezialisierung und der hohen Anforderungen sind die Berufschancen in diesem Feld sehr gut. Darüber hinaus sind die Gehälter attraktiv, insbesondere für leitende Ärzte und Ärztinnen, die verantwortungsvolle Positionen in renommierten Einrichtungen innehaben.


Finde die passende Stelle im Gesundheitswesen

Zur Jobsuche

Karriere im Gesundheitswesen? Hier finden Sie passende Stellenangebote! Entdecken Sie unsere Jobbörse und lassen Sie sich von spannenden Jobangeboten inspirieren.

Zur Jobsuche
Zur Jobsuche