Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie

In der Allgemeinchirurgie erwartet Fachärzte und Fachärztinnen ein breites Tätigkeitsfeld und gute Karrierechancen. Die Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie bereitet auf vielseitige Aufgaben in der stationären und ambulanten Patientenversorgung vor. Mit schnellen Aufstiegsmöglichkeiten in Krankenhäusern und guten Perspektiven zur Praxisübernahme im ambulanten Bereich bietet die Allgemeinchirurgie eine fundierte Basis für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn.
Die Illustration zeigt 3 Chirurgen am Operationstisch.

Allgemeinchirurgie ist ein chirurgisches Fachgebiet, das sich mit einer Vielzahl von Erkrankungen und operativen Eingriffen befasst, insbesondere in den Bereichen Bauch, Brust, Haut und Weichteile. Es hat seine Wurzeln in der historischen Entwicklung der Chirurgie, als es noch keine Spezialisierung gab und Chirurgen ein breites Spektrum an Operationen durchführten.

Mit der Zeit entwickelten sich spezialisierte Fachrichtungen wie Neurochirurgie, Herzchirurgie und Orthopädie. Die Allgemeinchirurgie verblieb als das Fachgebiet, das die "allgemeinen", weniger spezialisierten chirurgischen Verfahren abdeckt. Heute beinhaltet die Allgemeinchirurgie Routineoperationen wie Hernienreparaturen und Gallenblasenentfernungen, aber auch komplexere Eingriffe an Organen der Bauch- und Brusthöhle.

In diesem Blogpost informieren wir über die Arbeitsschwerpunkte und den Tätigkeitsbereich, die Dauer, Struktur und Inhalte der Facharzt-Weiterbildung in der Allgemeinchirurgie, die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die beruflichen Perspektiven in diesem Fachbereich.

Abgrenzung Allgemein- und Viszeralchirurgie

Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie sind eng verwandte Fachbereiche, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowohl für die medizinische Praxis als auch für die Patientenversorgung wesentlich sind. Die Allgemeinchirurgie hat ein breiteres Spektrum, während die Viszeralchirurgie eine tiefergehende Spezialisierung in der Behandlung von Bauchorganen darstellt. Beide Bereiche ergänzen sich und bieten zusammen eine umfassende chirurgische Versorgung.

Gemeinsamkeiten: Beide Disziplinen befassen sich mit chirurgischen Eingriffen im Bauchraum, einschließlich der Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe. Sie teilen ähnliche chirurgische Techniken und Ansätze, und die Ausbildung in beiden Bereichen umfasst grundlegende chirurgische Fähigkeiten und Kenntnisse. Beide Fachgebiete erfordern ein hohes Maß an chirurgischer Expertise und die Fähigkeit, komplexe Operationen durchzuführen.

Unterschiede: Die Allgemeinchirurgie ist breiter angelegt und beinhaltet ein umfangreicheres Spektrum an Eingriffen, darunter auch Operationen außerhalb des Bauchraums, wie beispielsweise an Haut, Weichteilen und Schilddrüse. Die Viszeralchirurgie hingegen konzentriert sich speziell auf die Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe des Bauchraums. Sie umfasst komplexere und spezialisiertere Verfahren, insbesondere an Organen wie Leber, Magen und Darm.

Diskussionen um Zusammenlegung von Allgemein- und Viszeralchirurgie

Die Entscheidung des Deutschen Ärztetages 2017, die Facharztkompetenz in der Allgemeinchirurgie beizubehalten, stieß auf unterschiedliche Reaktionen, trotz der entgegengesetzten Meinungen von chirurgischen Fachgesellschaften und Institutionen. Dieser Beschluss löste eine lebhafte Diskussion in der Ärzteschaft aber auch bei Krankenhausbetreibern und Patientenorganisationen aus.

Zusammenlegung aus Sicht der Patientenversorgung

Patienten suchen zunehmend nach Spezialisten für bestimmte Erkrankungen, wünschen sich aber gleichzeitig die Möglichkeit, allgemeine chirurgische Probleme in derselben Einrichtung behandeln zu lassen. Eine kombinierte Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie fördert die Effizienz sowohl in der Diagnose als auch in der Behandlung, indem sie eine koordinierte Abwicklung diagnostischer und therapeutischer Prozesse ermöglicht. Dies verbessert die Patientenversorgung und stellt sicher, dass Patienten nicht unnötig zwischen verschiedenen Spezialisten hin- und hergeschickt werden.

Zusammenlegung aus Sicht der Krankenhäuser

Aus der Perspektive der Krankenhäuser verbessert die Zusammenlegung von Allgemein- und Viszeralchirurgie die organisatorische Struktur und Koordination. Durch die Verschmelzung dieser Bereiche können Krankenhäuser eine effizientere und kostengünstigere Patientenversorgung anbieten. Die integrierte Abteilung reduziert die Notwendigkeit separater Spezialabteilungen, was sowohl die Komplexität als auch die Kosten der Krankenhausverwaltung verringert.

Zusammenlegung aus Sicht der Assistenzärzte und -ärztinnen

Für Assistenzärzte und -ärztinnen bietet die Integration von Allgemein- und Viszeralchirurgie erhebliche Vorteile. Sie ermöglicht eine breitere und vielseitigere Ausbildung mit der Möglichkeit zur anschließenden Spezialisierung. Diese Struktur gibt jungen Chirurgen die Flexibilität, verschiedene Bereiche der Chirurgie zu erfahren, bevor sie sich auf ein spezielles Gebiet festlegen.

Ärztestatistik im Bereich Allgemein- und Viszeralchirurgie

Der Versorgungsschwerpunkt der Allgemeinchirurgie liegt in der stationären Medizin. Fast 70 % aller Fachärzte und Fachärztinnen sind in Krankenhäusern und Kliniken tätig.

Nach der Bundesärztestatistik 2022 sind insgesamt 7.041 Fachärzte und Fachärztinnen in der Allgemeinchirurgie ärztlich tätig. Die Gesamtzahl beinhaltet auch die älteren Facharztbezeichnungen wie Allgemeine Chirurgie und Chirurgie. Die aktuelle Weiterbildung erfolgt nur noch unter der Bezeichnung Allgemeinchirurgie. 

Der Frauenanteil in der Allgemeinchirurgie beträgt rund 30%, was deutlich unter dem Durchschnitt aller medizinischen Fachbereiche liegt, wo der Frauenanteil etwas über 50% beträgt. Im Jahr 2022 wurden 174 neue Facharztbezeichnungen in der Allgemeinchirurgie anerkannt, von denen 42,5% an Frauen vergeben wurden.

Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie: Dauer und Struktur

Die Weiterbildung zum Facharzt in der Allgemeinchirurgie umfasst eine strukturierte und umfassende Ausbildung, die sich über einen Zeitraum von insgesamt 72 Monaten erstreckt. Falls innerhalb des Gebiets Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben werden, verlängert sich die gesamte Weiterbildungszeit auf mindestens 9 Jahre.

Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie (24 Monate): Dies ist der erste Schritt der Weiterbildung und bildet die Grundlage für alle chirurgischen Fachrichtungen.

Spezialisierte Weiterbildung Allgemeinchirurgie (48 Monate): Die Facharztweiterbildung in der Allgemeinchirurgie ist wie folgt strukturiert:

  • 24 Monate in Allgemeinchirurgie und/oder anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie: Innerhalb dieser Zeit können bis zu 12 Monate in anderen Disziplinen wie Anästhesiologie, Anatomie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Innere Medizin und Gastroenterologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Pathologie und Urologie absolviert oder angerechnet werden.
  • 12 Monate im ambulanten Bereich: Diese Phase ermöglicht es den Weiterzubildenden, Erfahrungen im außerstationären Bereich zu sammeln.
  • 12 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie: Diese Zeit ist für die Vertiefung von Kenntnissen in diesem spezialisierten Bereich vorgesehen.
  • 12 Monate in Viszeralchirurgie: Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung und konzentriert sich auf die Chirurgie der Bauchorgane.

Weiterbildungsinhalte in der Facharztkompetenz Allgemeinchirurgie

Die Weiterbildungsinhalte für die Facharztkompetenz in dieser Darstellung basieren auf der Weiterbildungsverordnung der Landesärztekammer Niederrhein.

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der operativen und nicht operativen Grund- und Notfallversorgung bei gefäß-, thorax-, unfall- und visceralchirurgischen einschließlich der koloproktologischen Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Infektionen
  • der Indikationsstellung zur operativen und konservativen Behandlung einschließlich der Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung
  • endoskopischen, laparoskopischen (minimal-invasiven) Operationsverfahren
  • instrumentellen und funktionellen Untersuchungsmethoden
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes

Definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens, Retroperitoneums, der Urogenitalorgane
  • große Wundversorgung bei Weichteilverletzungen
  • Deckung von Haut- und Weichteildefekten
  • Verbände, z. B. Kompressions-, Stütz-, Schienen- und fixierende Verbände
  • Repositionen von Frakturen und Luxationen
  • operative Eingriffe an Kopf/Hals und Brustwand einschließlich Thorakotomien und Thoraxdrainagen und an Bauchwand und Bauchhöhle, Stütz- und Bewegungssystem, Gefäß- und Nervensystem einschließlich Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen und Exzisionen mittels konventioneller, endoskopischer und interventioneller Techniken, z. B. Lymphknotenexstirpation, Port-Implantation, Entfernung von Weichteilgeschwülsten, Schilddrüsen-Resektion, explorative Laparotomie, Thorakotomie, Thoraxdrainage, Magen-, Dünndarm- und Dickdarm- Resektion, Notversorgung von Leber- und Milzverletzungen, Cholecystektomie, Appendektomie, Anus praeter-Anlage, Herniotomien, Hämorrhoidektomie, periproktitische Abzessspaltung, Fistel- und Fissur- Versorgung , Osteosynthesen, Implantatentfernung, Exostosenabtragung, Amputationen, Varizenoperationen, Thrombektomie, Embolektomie, Tracheotomie
  • Mitwirkung bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade

Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Spezialisierung in der Allgemeinchirurgie

Die Allgemeinchirurgie ist ein zentraler Bereich der Medizin, der durch eine enge und vielfältige interdisziplinäre Zusammenarbeit geprägt ist. Für eine optimale Patientenversorgung ist die Kooperation mit verschiedenen medizinischen Fachbereichen unerlässlich.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit:

  • Innere Medizin und Gastroenterologie: Für die Behandlung gastrointestinaler Erkrankungen ist eine enge Abstimmung mit Gastroenterologen wichtig, besonders bei der Diagnose und präoperativen Vorbereitung.
  • Anästhesiologie: Eine Schlüsselrolle spielt die Zusammenarbeit mit Anästhesisten für die Planung und Durchführung von Operationen.
  • Radiologie: Für die bildgebende Diagnostik und präoperative Planung sind Radiologen unverzichtbare Partner.
  • Notfallmedizin: In Notfallsituationen ist die schnelle und effektive Zusammenarbeit mit Notfallmedizinern entscheidend.
  • Onkologie: Bei Krebserkrankungen ist die Kooperation mit Onkologen wichtig, um eine umfassende Behandlungsstrategie, inklusive chirurgischer und medikamentöser Therapie, zu entwickeln.
  • Pathologie: Die enge Zusammenarbeit mit Pathologen ist für die Diagnosestellung und die Beurteilung chirurgischer Präparate wesentlich.

Spezialisierungsoptionen: 

In der Allgemeinchirurgie gibt es vielfältige Spezialisierungsmöglichkeiten. Diese Spezialisierungen erfordern oft zusätzliche Weiterbildungen:

  • Viszeralchirurgie: Fokus auf Operationen der Bauchorgane. Eine zusätzliche Weiterbildung ist für die Vertiefung in diesem Bereich notwendig.
  • Thoraxchirurgie: Spezialisiert auf chirurgische Eingriffe im Brustbereich. Auch hier ist eine spezielle Weiterbildung erforderlich.
  • Gefäßchirurgie: Beinhaltet Operationen an Blutgefäßen und erfordert spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten, die durch weitere Fortbildungen erlangt werden.
  • Traumatologie: Spezialisierung auf die Behandlung von Verletzungen, oft in Verbindung mit der Unfallchirurgie.

Gehalt während der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie

Die Facharztweiterbildung in der Allgemeinchirurgie erfolgt meist in tarifgebundenen Krankenhäusern und Kliniken. Im ambulanten Bereich werden die Gehälter individuell festgelegt, orientieren sich jedoch oft an den Klinikgehältern. 

Die Vergütung für Assistenzärzte in der Allgemeinchirurgie steigt mit zunehmender Berufserfahrung. Nicht im Basisgehalt enthalten sind zusätzliche Einkünfte für Dienste und Bereitschaft. Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf den Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA), gültig bis Juni 2024.

Entgelttabelle bis 31. März 2024:

  • 1 Jahr: 5.084,92 €
  • 2 Jahre: 5.373,18 €
  • 3 Jahre: 5.579,03 €
  • 4 Jahre: 5.935,85 €
  • 5 Jahre: 6.361,32 €
  • 6 Jahre: 6.536,32 €

Entgelttabelle vom 1. April 2024 bis 30. Juni 2024:

  • 1 Jahr: 5.588,11 €
  • 2 Jahre: 5.588,11 €
  • 3 Jahre: 5.802,19 €
  • 4 Jahre: 6.173,28 €
  • 5 Jahre: 6.615,77 €
  • 6 Jahre: 6.797,77 €

Berufliche Perspektiven 

Die Allgemeinchirurgie bietet vielfältige Karrieremöglichkeiten, insbesondere im stationären Bereich. Als grundlegender medizinischer Bereich ist sie in nahezu jedem allgemeinen Krankenhaus vertreten. Es gibt viele offene Stellen für Fachärzte und Fachärztinnen in der Allgemeinchirurgie. Die Ärzteknappheit bietet Allgemeinchirurgen gute Aufstiegschancen in leitende Positionen wie Oberarzt oder Leitender Oberarzt.

Im ambulanten Sektor eröffnen sich ebenfalls attraktive berufliche Perspektiven. Viele chirurgische Praxen stehen aufgrund der Überalterung ihrer Inhaber vor einem Generationswechsel, was Chancen für Allgemeinchirurgen mit sich bringt, eine bestehende Praxis zu übernehmen oder eine eigene Praxis zu gründen. 

Insgesamt sind die beruflichen Aussichten in der Allgemeinchirurgie sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich vielversprechend und bieten zahlreiche Möglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn.

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Quellen


Letzte Aktualisierung
20.11.2023
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildnachweis
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