Gehalt Physiotherapie: Was verdient ein Physiotherapeut?

Wie viel Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten verdienen, hängt vor allem von Arbeitgeber, Tarifbindung, konkreter Tätigkeit, Berufserfahrung und Arbeitszeit ab. Der Beitrag ordnet bundesweite Medianwerte, TVöD-Entgelte und das wirtschaftliche Ergebnis einer eigenen Praxis getrennt ein.

Die Illustration zeigt eine Physiotherapeutin die eine Patienten auf einem Behandlungstisch behandelt.

Wie viel Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten verdienen, hängt vor allem von Arbeitgeber, Tarifbindung, konkreter Tätigkeit, Berufserfahrung und Arbeitszeit ab. Für einen realistischen Vergleich müssen das bundesweite Medianentgelt, tarifliche Tabellenwerte und das wirtschaftliche Ergebnis einer eigenen Praxis getrennt betrachtet werden.

Physiotherapie: Eckdaten

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten sowohl angestellt als auch selbstständig. Die Ausbildung erfolgt in der Regel schulisch; daneben gibt es Studienangebote. Ausführliche Informationen zu Zugang, Dauer und Abschluss bietet unser Beitrag zur Ausbildung in der Physiotherapie.

Wo arbeiten Physiotherapeuten?

Die Einsatzgebiete sind vielfältig. Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern gehören:

  • Rehabilitationseinrichtungen: stationäre Rehabilitation nach schweren Erkrankungen, Unfällen und bei chronischen Erkrankungen.
  • Akutkliniken: frühe Mobilisation und physiotherapeutische Behandlung nach Operationen oder akuten Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall.
  • Ambulante Praxen: Behandlung nach medizinischen Eingriffen sowie bei akuten und chronischen Beschwerden.
  • Pflegeeinrichtungen: Mobilisation und Funktionserhalt bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen.
  • Prävention: Vorbeugung von Beschwerden und Förderung von Beweglichkeit und Belastbarkeit.

Grundlagen der Gehaltsfindung

In kommunalen Einrichtungen kann der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst im Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (TVöD-VKA) gelten. Andere öffentliche, kirchliche oder private Arbeitgeber können andere Tarifwerke oder einzelvertragliche Regelungen anwenden. Deshalb sind Gehaltsangaben nur zusammen mit Tarifbereich, Gültigkeitszeitraum, Wochenarbeitszeit, Entgeltgruppe und Stufe aussagekräftig.

TVöD-Eingruppierung in der Physiotherapie

Die TVöD-VKA-Entgeltordnung ordnet nicht allein nach der Berufsbezeichnung ein, sondern nach staatlicher Anerkennung und der tatsächlich übertragenen Tätigkeit:

  • Entgeltgruppe 5: Beschäftigte in der Tätigkeit von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.
  • Entgeltgruppe 7: staatlich anerkannte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mit entsprechender Tätigkeit.
  • Entgeltgruppe 8: Beschäftigte der Entgeltgruppe 7, die mindestens zu einem Viertel schwierige Aufgaben erfüllen.
  • Entgeltgruppe 9a: Beschäftigte der Entgeltgruppe 7, die schwierige Aufgaben erfüllen.
  • Entgeltgruppe 9b: Beschäftigte der Entgeltgruppe 7, die mindestens zur Hälfte die in der Entgeltordnung genannten besonders anspruchsvollen Aufgaben erfüllen.

Zu den tariflich genannten schwierigen Aufgaben zählen beispielsweise Behandlungen nach Lungen- oder Herzoperationen, nach Herzinfarkten, in der Geriatrie oder nach dem Einsatz von Endoprothesen. Die konkrete Eingruppierung muss anhand der dauerhaft übertragenen Aufgaben geprüft werden.

Stufenzuordnung und Stufenlaufzeiten

Bei einer Einstellung nach TVöD-VKA erfolgt ohne einschlägige Berufserfahrung grundsätzlich die Zuordnung zu Stufe 1. Bei mindestens einem Jahr einschlägiger Berufserfahrung ist Stufe 2 vorgesehen; bei mindestens drei Jahren erfolgt in der Regel die Zuordnung zu Stufe 3. Förderliche Berufserfahrung kann der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich berücksichtigen.

Der reguläre Aufstieg innerhalb derselben Entgeltgruppe erfolgt nach einem Jahr in Stufe 1, zwei Jahren in Stufe 2, drei Jahren in Stufe 3, vier Jahren in Stufe 4 und fünf Jahren in Stufe 5. Diese Stufenlaufzeiten dürfen nicht mit festen Grenzen der gesamten Berufserfahrung bei einer Neueinstellung gleichgesetzt werden.

Gehalt Physiotherapie in stationären Einrichtungen

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für den Beruf Physiotherapeut/in in Deutschland bei sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten ein Medianentgelt von 3.452 Euro brutto pro Monat aus (Datenstand Entgeltatlas 2025). Eine Hälfte der erfassten Beschäftigten verdient weniger, die andere mehr. Der Wert ist kein Einstiegsgehalt und unterscheidet nicht verlässlich zwischen Praxis, Klinik und einzelnen Tarifbereichen.

TVöD-VKA-Entgelttabelle ab 1. Mai 2026

Für kommunale Arbeitgeber gelten ab 1. Mai 2026 folgende monatliche Tabellenentgelte in Euro. Zulagen, Jahressonderzahlung und weitere Entgeltbestandteile sind darin nicht enthalten.

EntgeltgruppeStufe 1Stufe 2Stufe 3Stufe 4Stufe 5Stufe 6
EG 73.294,98 €3.537,94 €3.682,69 €3.828,76 €3.969,05 €4.045,24 €
EG 83.486,40 €3.697,29 €3.843,36 €3.992,40 €4.153,50 €4.230,97 €
EG 9a3.658,61 €3.877,94 €4.097,67 €4.586,77 €4.697,43 €4.979,97 €
EG 9b3.779,84 €4.039,01 €4.203,56 €4.690,55 €4.979,11 €5.313,37 €

Die Tabelle beantwortet damit insbesondere Fragen nach dem TVöD-Gehalt und der Eingruppierung in der Physiotherapie. Sie lässt sich jedoch nicht pauschal auf jede Klinik oder Reha-Einrichtung übertragen.

Was verdienen Physiotherapeuten in Praxen?

Für angestellte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in ambulanten Praxen gibt es keine allgemeingültige Gehaltstabelle. Der Entgeltatlas nennt einen berufsweiten Median, weist aber keinen belastbaren separaten Wert nur für Beschäftigte in inhabergeführten Physiotherapiepraxen aus. Eine pauschale Aussage, Praxisgehälter lägen stets einen bestimmten Prozentsatz unter dem TVöD, ist deshalb nicht seriös.

Beim Vergleich eines Angebots sollten insbesondere Bruttogehalt, Wochenarbeitszeit, bezahlte Dokumentationszeiten, Fortbildungsregelungen, Urlaub, Sonderzahlungen und mögliche Zuschläge berücksichtigt werden.

Einkommen von Physiotherapeuten in eigener Praxis

Bei einer eigenen Praxis sind Umsatz, Betriebsergebnis und persönliches Nettoeinkommen verschiedene Größen. Die Vergütungsvereinbarung nach § 125 SGB V nennt ab 1. Januar 2026 beispielsweise 29,63 Euro für eine allgemeine Krankengymnastik-Einzelbehandlung mit einer Regelbehandlungszeit von 15 bis 25 Minuten. Dieser Betrag ist eine Vergütung der Praxis für die Leistung und kein Stundenlohn oder persönliches Einkommen.

Vom Praxisumsatz gehen unter anderem Personal-, Raum-, Ausstattungs-, Verwaltungs- und Finanzierungskosten ab. Hinzu kommen auf persönlicher Ebene Steuern sowie Aufwendungen für Krankenversicherung und Altersvorsorge. Ohne Angaben zu Auslastung, Leistungsstruktur, Kosten und Zahl der Praxisinhaber lässt sich deshalb kein belastbares allgemeines Monats- oder Nettoeinkommen für Selbstständige nennen.

Wie bedeutsam sind Zusatzentgelte für das Gesamtgehalt?

Ob und in welcher Höhe Überstunden, Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit vergütet werden, hängt vom anwendbaren Tarifvertrag, Arbeitsvertrag und gegebenenfalls von betrieblichen Regelungen ab. Ein pauschaler Zuschlag von 15 bis 20 % des Grundgehalts gilt nicht allgemein. Beschäftigte sollten deshalb die konkrete Zuschlags- und Freizeitausgleichsregelung ihres Arbeitsverhältnisses prüfen.

Fazit: Was die Physiotherapie als Berufsfeld besonders interessant macht

Für die Gehaltseinordnung bietet der bundesweite Median eine erste Orientierung. Im öffentlichen Dienst sind zusätzlich die tariflichen Tätigkeitsmerkmale, die passende Entgeltgruppe und die Stufenzuordnung entscheidend. In ambulanten Praxen sollte das Gesamtpaket des Arbeitsvertrags verglichen werden.

Bei Selbstständigen dürfen Behandlungspreise und Praxisumsatz nicht mit persönlichem Einkommen verwechselt werden. Entscheidend sind Auslastung, Kostenstruktur und Praxisorganisation. Wer diese Bezugsgrößen sauber trennt, kann verschiedene Beschäftigungsmodelle realistisch vergleichen.


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