Notstand im Notfallzentrum

Überfüllte Notaufnahmen belasten Beschäftigte und Wartende. Welche strukturellen Ursachen dahinterstehen, wie nach Dringlichkeit gesteuert wird und welche Maßnahmen die Akutversorgung tatsächlich entlasten können.

Die Illustration zeigt einen Rettungshubschrauber.

Überfüllte Notaufnahmen belasten Patientinnen und Patienten ebenso wie Beschäftigte. Wartezeiten richten sich jedoch nach medizinischer Dringlichkeit: Lebensbedrohliche Fälle werden priorisiert, während weniger dringliche Beschwerden länger warten können.

Die Ursachen reichen von begrenzten stationären Kapazitäten über Personalengpässe bis zu Lücken in der ambulanten Erreichbarkeit. Gewalt gegen Beschäftigte ist ein zusätzliches Sicherheitsproblem, darf aber nicht pauschal allen Wartenden zugeschrieben werden.

Aufgabe und Zweck von Notaufnahmen

Die Notaufnahme ist eine in aller Regel eigenständige und spezialisierte Abteilung/Hauptabteilung in Krankenhäusern, die rund um die Uhr für die Versorgung akuter medizinischer Notfälle bereitsteht. Die Hauptaufgabe ist die Erstversorgung von akuten Notfällen und Verletzungen. Notaufnahmen werden sowohl von Rettungsdiensten als auch direkt von Patienten aufgesucht. Rettungsdienste bringen Patienten in akuten, lebensbedrohlichen Situationen, die sofortige medizinische Hilfe benötigen. 

Wie sind Notaufnahmen finanziert?

Notfallbehandlungen werden je nach Versorgungsbereich über unterschiedliche Regeln der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung vergütet. Zusätzlich sieht das gestufte System des Gemeinsamen Bundesausschusses Zu- und Abschläge für die Teilnahme von Krankenhäusern an der stationären Notfallversorgung vor.

Die Höhe dieser Zuschläge legt nicht der G-BA fest, sondern vereinbaren die Vertragspartner auf Bundesebene. Eine pauschale Aussage, Notaufnahmen würden regelmäßig durch staatliche oder kommunale Betriebskostenzuschüsse finanziert, bildet die komplexe Krankenhausfinanzierung nicht verlässlich ab.

Wie sind Notaufnahmen organisatorisch und fachlich aufgestellt? 

Organisation und personelle Besetzung unterscheiden sich nach Versorgungsstufe und Krankenhaus. Der G-BA definiert Mindestanforderungen unter anderem an Fachabteilungen, qualifiziertes Personal und die zeitliche Verfügbarkeit von Notfallleistungen.

In zentralen Notaufnahmen arbeiten ärztlicher Dienst, Pflege, medizinisches Fachpersonal und Rettungsdienst eng zusammen. Spezialisierte Pflegefachpersonen übernehmen unter anderem Ersteinschätzung, Überwachung und Versorgung; der Rettungsdienst übergibt präklinisch versorgte Patientinnen und Patienten strukturiert an das Klinikteam.

Zur typischen Infrastruktur gehören ein schneller Zugang zu Labor, Bildgebung, Monitoring sowie Geräten für Reanimation und Beatmung. Umfang und unmittelbare Verfügbarkeit richten sich nach Haus und Notfallstufe.

Was ist das aktuelle Problem in Notaufnahmen?

Notaufnahmen müssen zunächst einschätzen, wie dringend eine Behandlung ist. Eine Vorstellung bedeutet deshalb nicht, dass alle Patientinnen und Patienten in der Reihenfolge ihres Eintreffens oder sofort behandelt werden; die Priorisierung erfolgt nach medizinischem Risiko.

Überlastung entsteht nicht allein durch weniger dringliche Fälle. Auch fehlende Betten, verzögerte innerklinische Weiterverlegung, Personalausfälle, saisonale Erkrankungswellen und eingeschränkte ambulante Angebote können den Patientenfluss blockieren.

Was sind die Gründe und Ursachen der Überfüllung in Notaufnahmen?

Überfüllung ist meist multifaktoriell. Neben hoher Nachfrage spielen die Erreichbarkeit ambulanter Versorgung, regionale Kapazitäten, Personalausstattung, Diagnostikzeiten und fehlende Aufnahmemöglichkeiten auf Stationen eine Rolle.

Die pauschale Erklärung, Menschen kämen vor allem aus Bequemlichkeit, greift zu kurz. Für akute, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 eine Anlaufstelle; bei Lebensgefahr gilt weiterhin 112.

Was sind die Folgen überfüllter Notaufnahmen?

Überfüllte Notaufnahmen können Wartezeiten verlängern, Abläufe erschweren und die Arbeitsbelastung erhöhen. Für Beschäftigte kommen Unterbrechungen, Zeitdruck und ein erhöhtes Risiko verbaler oder körperlicher Übergriffe hinzu.

Für die Patientensicherheit sind deshalb eine verlässliche Ersteinschätzung, laufende Neubewertung, ausreichende Personal- und Bettenkapazitäten sowie klare Eskalationswege entscheidend.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Eine einzelne Maßnahme reicht nicht aus. Sinnvoll sind insbesondere:

  • eine gut erreichbare ambulante Akutversorgung und der bekannte Zugang über 116117,
  • strukturierte Ersteinschätzung und Weiterleitung in die passende Versorgungsebene,
  • ausreichendes und qualifiziertes Personal sowie Schutzkonzepte gegen Gewalt,
  • ein besseres Betten- und Entlassmanagement im gesamten Krankenhaus und
  • regionale Abstimmung zwischen Rettungsdienst, Praxen, Bereitschaftsdienst und Kliniken.

Mehr Behandlungsplätze allein lösen einen blockierten Patientenfluss nicht. Entlastung entsteht erst, wenn ambulante Steuerung, innerklinische Prozesse und verfügbare Anschlusskapazitäten zusammenwirken.


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