Krankenschwester: Eine veraltete Bezeichnung?

Die Bezeichnung Krankenschwester ist ein vertrauter Begriff, der jedoch kontrovers diskutiert wird. Ist er noch zeitgemäß oder reflektiert er überholte Geschlechterrollen? Dieser Beitrag beleuchtet die Geschichte, aktuelle Diskussionen und die Rolle der Sprache in der modernen Pflege.

Frau zwischen Krankenpfleger und Nonne erklärt im Scherz Einigung auf den Begriff "Der Krankenschwester*in".

Die traditionelle Bezeichnung "Krankenschwester" hat ihren Ursprung in einer vergangenen Epoche und wird heute von vielen Menschen als veraltet betrachtet. Die Hauptkritikpunkte gegen die Verwendung dieses Begriffs beinhalten eine starke Bindung an das weibliche Geschlecht und eine potenzielle Herabwürdigung des Pflegeberufes.

Angesichts der fortlaufenden Diskussion um geschlechterneutrale Sprache greifen viele Menschen zunehmend auf neutrale Begriffe wie Pflegefachkraft zurück oder verwenden den Genderstern oder den m/w/d-Zusatz.

Trotzdem hat sich noch keine einheitliche Handhabung durchgesetzt. Die Bezeichnung "Krankenschwester" ist nach wie vor weit verbreitet, bleibt der dominierende Suchbegriff in Suchmaschinen und ist vor allem für ältere Menschen eine vertraute Bezeichnung.

Wortherkunft und historischer Bezug

Die Herkunft der Bezeichnung Krankenschwester führt uns zurück bis ins Mittelalter, als vorwiegend Ordensschwestern die Krankenpflege übernahmen. In jenen Zeiten spielten Klöster die zentrale Rolle in der Krankenversorgung. Und bis heute sind etwa ein Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland tatsächlich auch noch in kirchlicher Trägerschaft.

Heute ist die "Krankenschwester" eine anerkannte medizinische Fachkraft, die ihre Kenntnisse in einer dreijährigen und anspruchsvollen Ausbildung erwirbt. Und nicht nur eine fundierte Grundausbildung ist erforderlich: auch eine kontinuierliche und stetige Weiterbildung und Spezialisierung ist zwingend. 

Die Komplexität der Anforderungen und das hohe Maß an Verantwortung, aber auch der technische Fortschritt hat den Pflegeberuf stark verändert. Das Bild der fürsorglichen und pflegenden Ordens- oder Krankenschwester hat heute mit den tatsächlichen Herausforderungen und Aufgaben einer Pflegefachkraft nur noch wenig zu tun.

Einen ersten Wandel hat die Berufsbezeichnung im Jahr 2004 erfahren, als die Bezeichnung Krankenschwester formal durch Gesundheits- und Krankenpfleger ersetzt wurde. Eine weitere Reform im Jahr 2020 führte die Berufsbezeichnungen Pflegefachfrau und Pflegefachmann ein. Formal kann nur noch die Ausbildung Pflegefachfrau/-fachmann erlernt werden. Im letzten Drittel der Ausbildung kann dann eine Spezialisierung in Altenpflege oder Pädiatrie erfolgen.

Ist Krankenschwester ein veralteter Begriff? 

Die aktuelle Debatte über die  Verwendung der Bezeichnung Krankenschwester wird kontrovers geführt. Die Diskussion um diese Thematik polarisiert und das Meinungsbild gruppiert sich um 2 konträre Standpunkte:

Die Bezeichnung Krankenschwester ist altmodisch und diskriminiert

Es gibt Argumente dafür, dass in unserer modernen Gesellschaft, die auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtet ist, die Bezeichnung "Krankenschwester" altmodisch wirkt. Diese Bezeichnung führt zur Diskriminierung von Männern und verstärkt traditionelle Geschlechterrollen. Dies kann junge Männer davon abhalten, den Beruf zu ergreifen und den bestehenden Personalmangel langfristig zu verringern. Darüber hinaus suggeriert die Bezeichnung "Krankenschwester", dass Pflege und Fürsorge immer noch die Hauptaufgaben sind, obwohl sich die beruflichen Anforderungen ständig erweitern. Heutige Pflegefachkräfte sind spezialisiert und müssen neben der Pflege auch immer komplexere Techniken verstehen und anwenden.

Aber über 80 % der Pflegefachkräfte sind Frauen

Andere argumentieren, dass über 80 % der Pflegekräfte Frauen sind, was den Begriff Krankenschwester repräsentativ erscheinen lässt. Viele Frauen in der Pflege identifizieren sich immer noch stark mit dieser Bezeichnung und Rolle. Die Bezeichnung Krankenschwester ist tief in unserer kollektiven Psyche verankert und wird mit Empathie, Fürsorge und Professionalität assoziiert, auch aufgrund des historischen Kontexts. Daher nutzen vor allem ältere Patienten nach wie vor hauptsächlich diese Bezeichnung.

Die Situation in anderen Sprachräumen

Interessanterweise gibt es im Englischen für Pflegekräfte, unabhängig vom Geschlecht, nur eine Bezeichnung - Nurse. Diese neutrale Bezeichnung weist weder auf das Geschlecht der Pflegekraft hin, noch trägt sie geschlechtsspezifische Konnotationen und ist auch gesellschaftlich akzeptiert. Eine Diskussion über geschlechterneutrale Sprache in der Pflege ist damit überflüssig.

Im Französischen und im Spanischen sind geschlechterspezifische Bezeichnungen gebräuchlich. Im Französischen wird die Bezeichnung "Infirmier" für männliche Krankenpfleger und "Infirmière" für weibliche Krankenpfleger verwendet. In Spanisch verwendet man "Enfermero" für männliche Krankenpfleger und "Enfermera" für weibliche Krankenpfleger. Auch in Frankreich und Spanien gibt es,  wie in Deutschland, eine lebhafte Diskussionen über die Verwendung geschlechtsneutraler Bezeichnungen.

Geschlechtsneutrale Bezeichnungen in Stellenanzeigen gefordert

In der Umgangssprache ist Krankenschwester als Bezeichnung noch stark verankert. In der offiziellen Sprache, in Veröffentlichungen oder Fachtexten haben die rechtlichen Vorgaben des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes AGG jedoch eine Umkehr ausgelöst.

Formal müssen Unternehmen und Institutionen geschlechterneutral formulieren. Dies gilt insbesondere in Stellenanzeigen. Es ist zwingend geboten jede Form von Diskriminierung zu vermeiden.  Unternehmen, die diskriminierende Stellenanzeigen veröffentlichen, können abgemahnt und zu Schadensersatz verpflichtet werden.

Die Bezeichnung Krankenschwester alleinstehend im Stellentitel aber auch im Anzeigentext ohne jeglichen Zusatz ist eindeutig ein Verstoss gegen die Gleichbehandlung. Männer werden hier begrifflich ausgeschlossen.

Auch eine prägnante Positionierung und häufige Verwendung des Begriffs Krankenschwester in Ergänzung zu einer geschlechterneutralen Bezeichnung (z.B. Pflegefachkraft) kann als Verstoß gewertet werden. Und zwar dann, wenn der Eindruck entsteht, dass vorzugsweise eine Frau gesucht wird. Männliche oder nicht-binäre Pflegefachkräfte könnten davon abhalten, sich zu bewerben, auch wenn sie ansonsten vollständig qualifiziert sind.

Eine durchgängige und einheitliche geschlechtergerechte Sprache in Stellenanzeigen ist also formal gefordert. Der Jobtitel ist in Stellenanzeigen besonders prominent und sollte unbedingt geschlechterneutral formuliert sein (z.B. Pflegefachkraft, Stationsleitung) und/oder einer einheitlichen und formal korrekten Gender-Schreibweise folgen. Eine geschlechtsneutrale Sprache in Stellenanzeigen ist nicht nur formal korrekt, sondern auch ein Ausdruck von Professionalität.

Krankenschwester und Suchmaschinen

Die bewusste Verwendung des Begriffs Krankenschwester in Stellenanzeigen kann zu einer besseren Sichtbarkeit der Anzeigen im Internet führen. Über 80% der Pflegefachkräfte sind Frauen und die Bezeichnung Krankenschwester wird - interessanterweise -  fünfmal häufiger gesucht als bspw. Krankenpfleger/-in oder Gesundheits- und Krankenpfleger/-in oder gar Pflegefachmann/Pflegefachfrau.

Es ist also kein Wunder, dass trotz der rechtlichen Problematik und der Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit versucht wird, das Keyword Krankenschwester in Stellenbeschreibungen und -anzeigen gezielt zu verwenden.

Aber dennoch gilt, die Formulierungen und Bezeichnungen dürfen nicht diskriminierend eingesetzt werden. Der Jobtitel sollte, das ist unsere grundsätzliche Empfehlung, geschlechterneutral formuliert sein. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, im Text einer Anzeige die Bezeichnung Krankenschwester zu verwenden. Man sollte aber darauf achten, dass die Bezeichnung Krankenschwester ausgewogen und mit gleichzeitiger Erwähnung von Krankenpfleger oder Pflegefachmann erfolgt. Ansonsten kann auch in diesem Fall eine Abmahnung aufgrund von Diskriminierung drohen.


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