Schlaganfall: Vom Blitz getroffen

Schlaganfälle sind häufig und haben oft schwerwiegende Folgen. Die Zeit bis zur Notfallbehandlung ist kritisch für den Therapieerfolg. Stroke Units bieten eine spezialisierte und interdisziplinäre Versorgung. Eine gut koordinierte Behandlung ist entscheidend für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität.

Die Illustration zeigt einen Schlaganfall.

Ein Schlaganfall entsteht abrupt und führt zu einem unmittelbaren Ausfall von Gehirnfunktionen. Diese plötzliche Beeinträchtigung kann durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn oder durch eine Hirnblutung hervorgerufen werden. 

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall und kann tödlich verlaufen oder dauerhafte Beeinträchtigungen verursachen. Bei plötzlich auftretenden typischen Symptomen muss sofort der Notruf 112 verständigt werden.

Dieser Blogpost beleuchtet das Thema Schlaganfälle, thematisiert die Ursachen und Symptome, analysiert die Häufigkeit und informiert über den therapeutischen Verlauf von der Akutversorgung bis zur anschließenden Therapie und Rehabilitation.

Was ist ein Schlaganfall? 

Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Störung der Blutzufuhr im Gehirn, wodurch die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Die unterversorgten Zellen beginnen abzusterben. 

Die meisten Schlaganfälle entstehen durch den Verschluss eines Hirngefäßes (ischämischer Schlaganfall). Seltener ist eine Hirnblutung die Ursache (hämorrhagischer Schlaganfall).

Schlaganfall durch Mangeldurchblutung (Ischämie)

Dies ist die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. Ein verstopftes Blutgefäß unterbricht die Blutzufuhr zum Gehirn. Die Verstopfung kann auf zwei verschiedene Weisen auftreten:

  • Thrombose: Ein Blutpfropf, oder Thrombus, verstopft ein Blutgefäß, das zum Gehirn führt.
  • Embolie: Ein Blutgerinnsel, das sich an einer anderen Stelle im Körper (zum Beispiel im Herzen) gebildet hat, löst sich und verursacht eine Verstopfung im Gehirn.

Schlaganfall durch plötzliche Hirnblutungen

In diesen Fällen reißt ein Blutgefäß im Gehirn plötzlich, was zu einer unmittelbaren Freisetzung von Blut in das umliegende Gewebe führt, dieses schädigt und den Schlaganfall auslöst.

Häufigkeit Schlaganfälle

Schlaganfälle gehören in Deutschland zu den häufigen Erkrankungen des Gehirns. Angaben zur Zahl der Neuerkrankungen, Rückfälle und Todesfälle unterscheiden sich je nach Datenquelle, Zeitraum und betrachteter Personengruppe. Deshalb sollten einzelne Prozentwerte nicht ohne diese Einordnung miteinander verglichen werden.

Wichtige Risikofaktoren

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen insbesondere Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht. Vorhofflimmern erhöht ebenfalls das Schlaganfallrisiko und muss ärztlich behandelt werden. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht und die Behandlung bestehender Erkrankungen können das Risiko senken.

Symptome Schlaganfall 

Die FAST-Regel ist ein Akronym, das dazu dient, die Anzeichen eines Schlaganfalls schnell zu erkennen und entsprechend zu handeln. Diese Regel ist ein Werkzeug für Laien, um die Symptome frühzeitig zu erkennen und sofort medizinische Hilfe zu organisieren.

  • Face (Gesicht): Auffälligkeiten im Gesicht, wie ein hängender Mundwinkel oder ein schlaffes Augenlid.
  • Arms (Arme): Schwäche oder Taubheitsgefühl in einem oder beiden Armen.
  • Speech (Sprache): Verwaschene Sprache, Schwierigkeiten beim Formulieren von Worten oder Sätzen.
  • Time (Zeit): Sofort den Notruf 112 wählen und den Zeitpunkt des Symptombeginns nennen.

Die ersten Anzeichen eines Schlaganfalls sind häufig abrupt und unerwartet. Sie können in verschiedenen Kombinationen auftreten und umfassen:

Plötzliche Lähmung oder Schwäche: Dies tritt vor allem an einer Körperhälfte auf und kann Arme, Beine oder das Gesicht betreffen.

Sehstörungen: Betroffene können plötzlich doppelt sehen oder haben Schwierigkeiten, mit einem oder beiden Augen klar zu sehen.

Sprachprobleme: Das Verstehen oder Formulieren von Sprache kann erschwert sein. Auch das Finden der richtigen Worte kann ein Problem darstellen.

Kopfschmerzen: Einige Menschen erleben plötzlich sehr starke Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache.

Koordinationsprobleme: Schwindelgefühl und Probleme beim Gehen oder mit der Balance sind weitere Symptome, die auf einen Schlaganfall hinweisen können.

Gesichtsasymmetrie: Ein herabhängender Mundwinkel oder ein schiefes Lächeln können ebenfalls Symptome sein.

Schlaganfall-Folgen

Ein Schlaganfall stellt oft eine einschneidende Veränderung im Leben der Betroffenen dar und kann zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen. Die Folgen variieren je nach betroffenem Hirnbereich und können Körperfunktionen wie Bewusstsein, Gedächtnis, Sprache, Motorik, Sehfähigkeit und Tastsinn beeinflussen. Zu den konkreten Auswirkungen gehören:

  • Lähmungen auf einer Körperseite
  • Muskelverkrampfungen (Spastiken)
  • Schluckstörungen
  • Sprachstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Sehstörungen
  • Gestörte Wahrnehmung der betroffenen Körperseite (Neglect)
  • Psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen

Viele Patienten sind durch diese Beeinträchtigungen in ihrem Alltag eingeschränkt und benötigen Unterstützung oder Pflege. 

Die Beschwerden können sich mit der Zeit teilweise bessern. Nach einem Schlaganfall besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für weitere Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine individuell abgestimmte Sekundärprävention und Nachsorge sind deshalb wichtig.

Schlaganfall-Behandlung

Zeit ist der kritische Faktor bei der Behandlung von Schlaganfällen ("Zeit ist Gehirn"). Schnelles Handeln ist entscheidend, um irreversible Gehirnschäden zu minimieren. Bei einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen können im Gehirn rasch und folgenschwer irreparable Schäden auftreten. 

Die Behandlung eines Schlaganfalls erfolgt in mehreren Phasen und ist abhängig von der Ursache und der Schwere des Schlaganfalls. 

Akutphase

Die Akutversorgung beginnt im Rettungsdienst und wird in der Klinik fortgesetzt. Bei einem ischämischen Schlaganfall kann das Gefäß bei geeigneten Patientinnen und Patienten durch eine medikamentöse Thrombolyse, eine kathetergestützte Thrombektomie oder eine Kombination beider Verfahren wieder eröffnet werden. Ob ein Verfahren möglich ist, hängt unter anderem vom Symptombeginn, der Bildgebung und individuellen Gegenanzeigen ab. Bei einer Hirnblutung steht im Vordergrund, die Blutung zu begrenzen und ihre Ursache zu behandeln; manchmal ist ein Eingriff erforderlich.

Für alle Verfahren gilt: Je schneller Betroffene in einer geeigneten Klinik untersucht werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb darf bei Verdacht auf Schlaganfall nicht abgewartet werden.

Frührehabilitation

Beginnt so bald wie möglich und hat das Ziel, verloren gegangene Funktionen wiederzuerlangen und Komplikationen zu vermeiden. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sind wichtige Bestandteile.

Rehabilitationsphase

Im Anschluss an die Frührehabilitation folgt die längerfristige Rehabilitation, die sowohl ambulant als auch stationär erfolgen kann. Hier wird weiter an der Wiederherstellung der Funktionen gearbeitet und auf die Selbstständigkeit der Patienten hingearbeitet.

Sekundärprävention

Nachdem der akute Schlaganfall behandelt wurde, liegt der Fokus auf der Verhinderung weiterer Schlaganfälle. Dies erfolgt in der Regel durch medikamentöse Therapie zur Kontrolle der Risikofaktoren (Blutdrucksenker, Blutverdünner etc.) und durch Lebensstiländerungen.

Nachsorge

Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Anpassungen der Therapie sind notwendig, um den Zustand des Patienten zu überwachen und bei Bedarf die Behandlung anzupassen.

Interdisziplinäre Schlaganfallbehandlung

Die Behandlung von Schlaganfällen ist eine komplexe Aufgabe, die ein multidisziplinäres Zusammenwirken verschiedener Berufsgruppen erfordert. Die Behandlung von Schlaganfallpatienten erfolgt in sogenannten Stroke Units, die in der Medizin, Pflege und Therapie auf die besonderen Anforderungen spezialisiert sind. Stroke Units sind vor allem an großen Krankenhäusern der Schwerpunkt- und Maximalversorgung eingerichtet worden.

In Stroke Units tragen Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie die Verantwortung für neurologische Diagnostik und Behandlung. Die in Stroke Units tätigen Ärzte und Ärztinnen haben häufig Zusatzausbildungen absolviert, wie bspw. die neurologische Intensivmedizin. Gleiches gilt auch für das Pflegefachpersonal und Therapeuten. Auch hier gibt es Zusatzqualifikationen speziell für die Behandlung von Schlaganfallpatienten.

Relevante Zusatzweiterbildungen und Spezialisierungen im ärztlichen Team

  • Neurologische Intensivmedizin: Diese Weiterbildung ermöglicht die spezialisierte Versorgung von Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen, einschließlich Schlaganfall, in der Intensivmedizin.
  • Vaskuläre Neurologie: Ein klinischer Schwerpunkt innerhalb der Neurologie, der sich auf zerebrovaskuläre Erkrankungen konzentriert; die konkrete Qualifikation ist nicht bundesweit als eigene Zusatzweiterbildung einheitlich geregelt.
  • Interventionelle Neuroradiologie: Spezialisierte Neuroradiologinnen und Neuroradiologen führen unter anderem Thrombektomien durch; hierfür gelten fachärztliche und qualifikationsbezogene Anforderungen.
  • Notfallmedizin: Eine Zusatzweiterbildung in Notfallmedizin bereitet auf die Akutversorgung von Notfällen, einschließlich Schlaganfall, vor.
  • Geriatrie: Für die Behandlung älterer Schlaganfallpatienten kann eine Zusatzqualifikation in Geriatrie nützlich sein.

Zusatzqualifikationen für Pflegefachpersonal zur Behandlung von Schlaganfallpatienten

  • Spezielle Schlaganfallpflege: Ein fokussierter Kurs, der auf die spezifischen Bedürfnisse von Schlaganfallpatienten eingeht.
  • Neurologische Pflege: Diese Weiterbildung bietet ein vertieftes Verständnis der neurologischen Erkrankungen und Behandlungsansätze, einschließlich Schlaganfall.
  • Intensivpflege: Eine Qualifikation in neurologischer oder allgemeiner Intensivpflege bereitet Pflegekräfte auf die besonderen Anforderungen der Intensivversorgung vor, einschließlich Beatmung und Überwachung vitaler Funktionen.
  • Palliative Care: Kann bei schweren Verläufen und belastenden Symptomen Teil einer individuell abgestimmten Versorgung sein.
  • Wundmanagement: Da Schlaganfallpatienten oft bettlägerig sind, kann eine Zusatzqualifikation im Bereich Wundmanagement hilfreich sein, um Druckgeschwüre zu vermeiden.
  • Gerontopsychiatrische Pflege: Diese Zusatzqualifikation kann für die Behandlung älterer Schlaganfallpatienten nützlich sein, insbesondere wenn psychische Erkrankungen wie Demenz vorliegen.

Zusatzqualifikationen für Therapeuten und Therapeutinnen zur Behandlung von Schlaganfallpatienten

  • Neurologische Therapie: Weiterbildungen in Neurologie, oft angeboten als "Bobath-Kurs" oder "PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)", vermitteln spezifische Techniken zur Behandlung neurologischer Erkrankungen einschließlich Schlaganfall.
  • Dysphagie-Therapie: Speziell für Logopäden entwickelt, fokussiert sich diese Zusatzqualifikation auf die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen, die häufig bei Schlaganfallpatienten auftreten.
  • Sensomotorische Therapie: Diese Weiterbildung fokussiert auf die Entwicklung und Rehabilitation sensomotorischer Fähigkeiten, die durch einen Schlaganfall beeinträchtigt sein können.
  • Spiegeltherapie: Eine spezifische Therapie zur Behandlung von motorischen Defiziten nach einem Schlaganfall, oft als eigenständige Weiterbildung oder als Teil einer umfassenderen neurologischen Therapieausbildung.
  • Gangschulung und Mobilitätstraining: Spezielle Kurse für Physiotherapeuten, die Techniken zur Wiederherstellung der Mobilität und Unabhängigkeit von Schlaganfallpatienten lehren.
  • Kognitive Therapie: Für Ergotherapeuten, die an der Wiederherstellung kognitiver Funktionen arbeiten, wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Problemlösungsfähigkeiten, die durch den Schlaganfall beeinträchtigt sein können.

Fazit

Schlaganfälle sind eine häufige Todesursache und haben oft ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen bis hin zur Pflegebedürftigkeit. Die schnelle medizinische Intervention ist für den Therapieerfolg ausschlaggebend. Vor allem Stroke Units mit spezialisierten, interdisziplinären Teams können eine effektive Behandlung gewährleisten. Weiterbildungen und spezielle Qualifikationen für das medizinische Personal sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Insgesamt ist eine gut koordinierte und spezialisierte Versorgung entscheidend für den Behandlungserfolg und die Lebensqualität der Patienten.


Letzte Aktualisierung
24.08.2026
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildgestaltung
Hanna Mimler

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