Schwerpunktweiterbildung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin verbinden Hormonmedizin, Kinderwunschbehandlung und Fertilitätserhalt. Die 24-monatige Schwerpunktweiterbildung baut auf dem Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf.

Die Gynäkologische Endokrinologie befasst sich mit hormonellen Störungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen. Die Reproduktionsmedizin konzentriert sich auf Fruchtbarkeit und Kinderwunsch und bezieht bei Bedarf weitere Fachgebiete ein.
In Deutschland baut der Schwerpunkt auf der Weiterbildung für Fachärztinnen und Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Voraussetzungen, Dauer und Inhalte der Schwerpunktweiterbildung.
Ärztestatistik
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren zum 31. Dezember 2025 bundesweit 360 Ärztinnen und Ärzte mit der Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin berufstätig. Davon arbeiteten 287 ambulant und 68 stationär; weitere fünf waren bei Behörden, Körperschaften oder in sonstigen Bereichen tätig. 293 der 360 Berufstätigen waren Frauen, das entspricht rund 81 Prozent.
Der Schwerpunkt ist eine von mehreren Spezialisierungsmöglichkeiten im Gebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Eine weitere ist die Schwerpunktweiterbildung Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, die in einem eigenen Beitrag vorgestellt wird.
Die Weiterbildung kann nur an dafür zugelassenen Weiterbildungsstätten unter Anleitung eines weiterbildungsbefugten Arztes oder einer weiterbildungsbefugten Ärztin absolviert werden.
Behandlungsschwerpunkte Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Der Schwerpunkt verbindet die Diagnostik und Therapie hormoneller Störungen mit der Beratung und Behandlung bei unerfülltem Kinderwunsch sowie mit Maßnahmen zum Fertilitätserhalt.
Gynäkologische Endokrinologie
Zur gynäkologischen Endokrinologie gehören unter anderem hormonell bedingte Funktionsstörungen in Pubertät, fortpflanzungsfähiger Lebensphase, Klimakterium sowie Peri- und Postmenopause. Dazu zählen beispielsweise Störungen des Androgen- oder Prolaktinhaushalts, Hirsutismus und endokrin bedingte Funktions- und Entwicklungsstörungen der weiblichen Brust.
Reproduktionsmedizin
Die Reproduktionsmedizin umfasst die fertilitätsbezogene Beratung, Diagnostik und Therapie des Kinderwunschpaares. Je nach Befund kommen unter anderem hormonelle Stimulation, Insemination, In-vitro-Fertilisation (IVF), intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), Kryokonservierung und fertilitätschirurgische Verfahren in Betracht. Auch Endometriose im Rahmen der Kinderwunschbehandlung und fertilitätsprotektive Maßnahmen bei onkologischen Erkrankungen gehören zum Weiterbildungsspektrum.
Voraussetzungen, Dauer und Struktur der Schwerpunktweiterbildung
Nach der Weiterbildungsordnung für die Ärzte Bayerns in der seit 1. Januar 2026 geltenden Fassung baut die Schwerpunktweiterbildung auf der Facharztanerkennung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf. Die Weiterbildungszeit beträgt 24 Monate.
Die Weiterbildung erfolgt bei einem zur Weiterbildung befugten Arzt oder einer befugten Ärztin an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte. Rechtlich maßgeblich ist die Weiterbildungsordnung der jeweils zuständigen Landesärztekammer; Details und Übergangsregelungen können sich daher unterscheiden.
Weiterbildungsinhalte Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Die folgenden Inhalte orientieren sich an der aktuellen Weiterbildungsordnung der Bayerischen Landesärztekammer. Sie verbinden Kenntnisse mit praktischen Erfahrungen und teilweise vorgegebenen Richtzahlen.
Zentrale Weiterbildungsinhalte sind:
- Prävention, Diagnostik und Therapie des ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS),
- Diagnostik und Therapie geschlechtsspezifischer endokriner, neuroendokriner und fertilitätsbezogener Störungen,
- Diagnostik und Therapie von Störungen des Androgen- und Prolaktinhaushalts, Hirsutismus sowie endokrin bedingten Funktionsstörungen der weiblichen Brust,
- fertilitätsbezogene Beratung, Diagnostik und Therapie des Kinderwunschpaares,
- Berücksichtigung männlicher Anamnesedaten, Genital- und Hormonbefunde sowie Spermiogrammparameter,
- assistierte Fertilisationsmethoden einschließlich hormoneller Stimulation, Insemination, IVF und ICSI,
- Kryokonservierungsverfahren und Fertilitätsprotektion,
- Spermiogrammanalyse, Ejakulataufbereitung und Funktionstests,
- Diagnostik und Therapie der Endometriose im Rahmen der Kinderwunschbehandlung sowie fertilitätschirurgische Verfahren.
Die bayerische Weiterbildungsordnung nennt unter anderem Richtzahlen von jeweils 50 für Inseminationen, IVF/ICSI sowie Spermiogrammanalysen und Ejakulataufbereitungen. Hinzu kommen beispielsweise 25 Kryokonservierungsverfahren und 20 Behandlungen der Endometriose im Rahmen der Kinderwunschbehandlung. Für die persönliche Planung sind das Logbuch und die Vorgaben der zuständigen Landesärztekammer entscheidend.
Gehalt während der Schwerpunktweiterbildung
Die Schwerpunktweiterbildung erfolgt nach der Facharztanerkennung. An kommunalen Krankenhäusern im Geltungsbereich des TV-Ärzte/VKA werden Fachärztinnen und Fachärzte mit entsprechenden Tätigkeiten der Entgeltgruppe II zugeordnet. Vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 beträgt das monatliche Tabellenentgelt 7.552,19 Euro brutto in Stufe 1 und 8.185,40 Euro brutto nach drei vollendeten Jahren in der Entgeltgruppe, also ab dem vierten Jahr. Anerkannte einschlägige Berufserfahrung kann die Stufenzuordnung beeinflussen.
Andere Arbeitgeber können andere Tarifverträge oder individuelle Vereinbarungen anwenden. Bereitschafts- und Rufdienste können das Monatsbrutto erhöhen; die tatsächliche Vergütung hängt jedoch von Art, Umfang und Zeitpunkt der Dienste ab. Einen breiteren Vergleich bietet der Beitrag Was verdienen Frauenärzte und -ärztinnen?.
Fazit
Die Schwerpunktweiterbildung verbindet gynäkologische Hormonmedizin mit Kinderwunschbehandlung und Fertilitätserhalt. Für Fachärztinnen und Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe bietet sie eine klar definierte Spezialisierung; bei der Planung sollten sie die Weiterbildungsbefugnisse, das Logbuch und die Vorgaben ihrer Landesärztekammer prüfen.
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