Handchirurgie: Arbeitsschwerpunkte und Berufsbild

Handchirurgie verbindet konservative und operative Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der Hand. Der Beitrag erläutert Aufgaben, Einsatzfelder und den aktuellen Weg zur Zusatz-Weiterbildung für Fachärztinnen und Fachärzte chirurgischer Gebiete.

Die Illustration zeigt eine Hand mit einem Verband.

Die Hand ist ein äußerst komplexes Organ, bei dem selbst kleine Verletzungen oder Veränderungen zu erheblichen Funktionsstörungen führen können. In der Handchirurgie werden nach sorgfältiger Diagnose konservative Behandlungen und operative Eingriffe durchgeführt. Viele Operationen werden minimal-invasiv und oft ambulant durchgeführt. Die Handchirurgie ist ein hoch spezialisiertes medizinisches Fachgebiet, das sich vor rund 70 Jahren aus der Orthopädie und Chirurgie entwickelt hat und genau diese Verletzungen und Erkrankungen behandelt. Ärztliche Handchirurgen und Handchirurginnen haben nach einer dafür zugelassenen chirurgischen Facharztanerkennung die Zusatz-Weiterbildung Handchirurgie abgeschlossen. 

Was ist ein Handchirurg / eine Handchirurgin?

Ein Handchirurg / eine Handchirurgin ist ein spezialisierter Facharzt / eine spezialisierte Fachärztin, der / die sich auf die Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen und Verletzungen der Hand spezialisiert hat. Die Zusatzbezeichnung setzt eine zugelassene chirurgische Facharztanerkennung und die in der Weiterbildungsordnung vorgesehenen Kompetenzen voraus. Die aktuelle Muster-Weiterbildungsordnung nennt zusätzlich 24 Monate Weiterbildung in Handchirurgie; verbindlich ist die Ordnung der zuständigen Landesärztekammer. 

Bedeutung der Handchirurgie

Die Hand ist ein unverzichtbares Werkzeug im Alltag und daher besonders anfällig für Verletzungen in Beruf, Haushalt, Sport und Freizeit. Handverletzungen gehören zu den häufigsten Unfallfolgen und können gravierende Auswirkungen haben. Sie beeinträchtigen nicht nur die Arbeitsfähigkeit und Selbstständigkeit, sondern auch die Teilnahme am sozialen Leben erheblich.

Behandlung und Rehabilitation

Die Versorgung von Handverletzungen ist aufwendig und erfordert eine umfassende Betreuung von der Erstbehandlung bis zur Rehabilitation. Nur durch eine optimale Primärbehandlung und eine umfassende Rehabilitation können gute funktionelle Ergebnisse erzielt werden. Dies trägt dazu bei, die sozioökonomischen Belastungen für die Betroffenen und die Gesellschaft zu reduzieren.

Erfassung und Verbesserung der Versorgung

Das HandTraumaRegister (HTR) der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) erfasst umfassende Daten zu Handverletzungen. Im Jahr 2022 wurden rund 7.000 neue Fälle in 41 Kliniken erfasst. Die statistischen Daten sind nicht vollständig, tragen aber dazu bei, die Behandlungsabläufe zu verbessern und die Bedeutung von Handverletzungen besser zu verstehen. 

Arten von Handverletzungen:

  • Brüche und Luxationen: Häufige Handverletzungen umfassen Brüche von Hand- und Fingerknochen, Sehnen- und Bänderverletzungen sowie Luxationen im Handgelenk. Besonders oft kommen Kahnbeinbrüche, Mittelhandknochenbrüche und Daumenbandrisse vor.
  • Schwere Verletzungen: Schwere Handverletzungen können zu dauerhaften Funktionseinschränkungen führen und erfordern spezialisierte chirurgische Behandlungen und langwierige Rehabilitation.

Was gehört zur Handchirurgie?

Die Handchirurgie umfasst ein breites Spektrum an Behandlungen, die von konservativen Maßnahmen bis hin zu hochspezialisierten chirurgischen Eingriffen reichen, um die Funktion und Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Traumatische Verletzungen

Behandlung von Knochenbrüchen, Verrenkungen, Sehnen- und Bänderrissen, die durch Unfälle oder Sportverletzungen entstehen. 

Karpaltunnelsyndrom

Behandlung der Kompression des Medianusnervs im Handgelenk, um Schmerzen und Taubheit zu lindern. Verfahren können konservative Maßnahmen oder chirurgische Eingriffe umfassen.

Arthrose der Hand

Behandlung degenerativer Erkrankungen, die die Gelenke der Hand und Finger betreffen. Einsatz von konservativen und operativen Behandlungsmethoden zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung.

Rhizarthrose im Daumensattelgelenk

Behandlung der Abnutzung des Knorpels im Daumensattelgelenk, die zu Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit führt. Maßnahmen reichen von konservativer Therapie bis zum Gelenkersatz.

Rekonstruktive Chirurgie

Wiederherstellung von Form und Funktion der Hand nach schweren Verletzungen, Tumorentfernungen oder angeborenen Fehlbildungen.

Nervenverletzungen und -kompressionssyndrome

Behandlung von Nervenverletzungen und Kompressionen, um Empfindung und Beweglichkeit wiederherzustellen.

Ganglionentfernung

Entfernung gutartiger, flüssigkeitsgefüllter Zysten in der Nähe von Gelenken und Sehnenscheiden, die Schmerzen verursachen und die Handbeweglichkeit beeinträchtigen können. 

Behandlung chronischer Erkrankungen

Management chronischer Entzündungen und degenerativer Erkrankungen wie Rheuma und Arthritis. Kombination aus medikamentöser Therapie, Physiotherapie und chirurgischen Eingriffen.

Wo arbeiten Handchirurgen / Handchirurginnen?

Handchirurgen / Handchirurginnen sind vor allem tätig in: 

  • Spezialisierten Krankenhäusern und MVZ: Diese bieten umfassende Behandlungsmöglichkeiten von der Diagnose bis zur Rehabilitation und führen sowohl konservative als auch operative Behandlungen durch.
  • BG-Kliniken: Diese Kliniken haben einen besonderen Fokus auf die Behandlung von Arbeitsunfällen und verfügen über modernste Technik für komplexe handchirurgische Eingriffe.
  • Orthopädischen Praxen: Diese sind oft auf die Behandlung von chronischen Erkrankungen der Hand spezialisiert und bieten konservative Therapien an.
  • Universitätskliniken und spezialisierten Operationszentren: Schwerwiegende Eingriffe werden häufig in Universitätskliniken oder spezialisierten Abteilungen großer Kliniken durchgeführt, die über die notwendige Expertise und Ausstattung verfügen.

Konservative Behandlung

Konservative Behandlungen umfassen nicht-operative Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und medikamentöse Therapien. Diese werden meistens ambulant in orthopädischen Praxen durchgeführt, die sich auf die Behandlung chronischer Erkrankungen spezialisiert haben. Handchirurgen arbeiten dabei eng mit Physiotherapeuten und Ergotherapeuten zusammen, um die Handfunktion bestmöglich wiederherzustellen.

Operative Behandlung

Operative Eingriffe werden notwendig, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder bei schweren Verletzungen und nach Unfällen. Solche Eingriffe werden in spezialisierten Operationszentren und großen Kliniken durchgeführt. Kleinere Eingriffe, wie die Karpaltunnelspaltung oder die Entfernung von Ganglien, können oft ambulant durchgeführt werden. Komplexere Operationen, wie die Rekonstruktion nach schweren Unfällen oder Tumorentfernungen, erfordern häufig eine stationäre Behandlung.

Minimalinvasive Eingriffe

Minimalinvasive Techniken sind ein wichtiger Bestandteil der modernen Handchirurgie. Diese Verfahren nutzen kleine Schnitte und spezielle Instrumente, um die Eingriffe so schonend wie möglich zu gestalten. Beispiele hierfür sind Arthroskopien und endoskopische Operationen, die häufig in spezialisierten Operationszentren oder größeren Krankenhäusern durchgeführt werden.

Wie wird man ein Handchirurg / Handchirurgin?

Handchirurgie ist eine medizinische Zusatz-Weiterbildung. Die Muster-Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 3. Juli 2026 nennt als Voraussetzung eine Facharztanerkennung für Allgemeinchirurgie, Kinder- und Jugendchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie oder Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Zusätzlich sind 24 Monate Handchirurgie unter Befugnis an zugelassenen Weiterbildungsstätten vorgesehen.

Die Muster-Weiterbildungsordnung ist eine Empfehlung. Rechtsverbindlich sind die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer und deren Vorgaben zu Befugnis, Weiterbildungsstätten und anrechenbaren Zeiten.

Berufliche Perspektiven in der Handchirurgie

Handchirurgische Kompetenz wird in der ambulanten und stationären Versorgung benötigt. Die konkreten beruflichen Aussichten hängen von Region, Versorgungsstruktur, Facharztanerkennung und verfügbarem Weiterbildungsangebot ab.

Gehalt während der Zusatz-Weiterbildung

Die Vergütung richtet sich nach Arbeitgeber, Tarifbindung, Entgeltgruppe und Stufe. Im TV-Ärzte/VKA beträgt das monatliche Tabellenentgelt für Fachärztinnen und Fachärzte (EG II) vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 7.552,19 Euro in Stufe 1 und 8.185,40 Euro in Stufe 2; Stufe 2 wird regulär erst nach drei vollständig absolvierten Jahren in der Entgeltgruppe erreicht. Eine Eingruppierung als Oberärztin oder Oberarzt setzt die ausdrückliche Übertragung der tariflich beschriebenen medizinischen Verantwortung voraus. Dienste und Zuschläge sind nicht im Tabellenentgelt enthalten.

Weitere Spezialisierungsmöglichkeiten in der Handchirurgie

Die Handchirurgie bietet eine Reihe von Spezialisierungen und Schwerpunktbezeichnungen, die eine umfassende und spezialisierte Versorgung ermöglichen. Handchirurgen arbeiten interdisziplinär mit anderen Fachbereichen zusammen, um eine optimale Behandlung und Betreuung sicherzustellen. Wichtige Spezialisierungsoptionen sind:

  • Traumatologie der Hand: Behandlung von akuten Handverletzungen.
  • Rekonstruktive Chirurgie: Wiederherstellung der Handfunktion nach schweren Verletzungen oder Fehlbildungen.
  • Mikrochirurgie: Verwendung von Mikroskopen für sehr feine chirurgische Eingriffe.
  • Rheumachirurgie: Behandlung von rheumatischen Erkrankungen der Hand.

Letzte Aktualisierung
08.08.2026
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildgestaltung
Hanna Hillier

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