Ausbildung Pflegefachmann/-frau: Lerninhalte und Perspektiven
Die Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger bietet einen abwechslungsreichen Einstieg in einen Beruf mit tiefem Sinn und großer Bedeutung. Die vielseitigen Aufgaben und die Möglichkeit, Menschen in ihrer Not zu helfen und zu unterstützen, machen diesen Beruf besonders erfüllend.

Pflegefachkräfte übernehmen eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem. Die Beschäftigungsaussichten sind aufgrund des hohen Fachkräftebedarfs grundsätzlich gut, können aber regional und nach Einsatzbereich variieren.
Dieser Blogpost beleuchtet die Ausbildung zum Pflegefachmann/Pflegefachfrau, die Ausbildungsinhalte und Dauer sowie die Ausbildungsvergütung.
Krankenschwester/Krankenpfleger - Beruf mit langer Tradition
Die offizielle Bezeichnung dieser Ausbildung lautet "Pflegefachmann/Pflegefachfrau". Trotz dieser modernen Bezeichnung sind nach wie vor die traditionellen Begriffe "Krankenschwester" und "Krankenpfleger" gebräuchlich und erinnern an die lange Geschichte dieses bedeutungsvollen Berufs. Über den Begriff Krankenschwester und die Hintergründe der Entwicklung findest du in diesem Blogbeitrag mehr: Krankenschwester: eine veraltete Bezeichnung.
Die Ausbildungsreform von 2020 führte die dreijährige generalistische Pflegeausbildung ein. Sie verbindet gemeinsame Ausbildungsanteile in unterschiedlichen Versorgungsbereichen mit einem gewählten Vertiefungseinsatz.
Je nach Ausbildungsvertrag und gewähltem Vertiefungseinsatz kann im letzten Ausbildungsdrittel die generalistische Ausbildung fortgeführt oder unter gesetzlichen Voraussetzungen ein besonderer Abschluss gewählt werden.
Voraussetzungen Ausbildung Krankenschwester/Krankenpfleger
Für den Zugang zur Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nennt § 11 Pflegeberufegesetz mehrere Wege. Möglich sind insbesondere ein mittlerer Schulabschluss, eine sonstige abgeschlossene zehnjährige allgemeine Schulbildung oder ein Hauptschulabschluss zusammen mit einer passenden abgeschlossenen Berufsausbildung. Bei der Berufsausbildung gelten je nach Vorbildung unterschiedliche gesetzliche Anforderungen, etwa eine mindestens zweijährige Ausbildung oder eine anerkannte Pflegeassistenz- beziehungsweise Pflegehelferausbildung.
Hinzu kommen die für die Berufserlaubnis maßgeblichen Anforderungen an Zuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung und die notwendigen Deutschkenntnisse. Sorgfalt, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, in wechselnden Versorgungssituationen Verantwortung zu übernehmen, sind im Ausbildungsalltag besonders wichtig.
Ausbildungsvergütung Pflegefachkraft
Auszubildende haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Bei kommunalen Arbeitgebern im Geltungsbereich des TVAöD – Besonderer Teil Pflege gelten seit 1. Mai 2026 monatlich brutto:
- 1. Ausbildungsjahr: 1.490,69 Euro
- 2. Ausbildungsjahr: 1.552,07 Euro
- 3. Ausbildungsjahr: 1.653,38 Euro
Bei privaten, kirchlichen oder anderen öffentlichen Trägern können andere Tarifwerke oder Vergütungsregelungen gelten. Deshalb sollte für ein konkretes Angebot immer der genannte Tarifvertrag geprüft werden.
Struktur und Aufbau der Pflegeausbildung
Die Ausbildung dauert in Vollzeit drei Jahre, in Teilzeit höchstens fünf Jahre. Nach der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung umfasst sie mindestens:
- 2.100 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht an der Pflegeschule
- 2.500 Stunden praktische Ausbildung
Die Praxiseinsätze führen unter anderem durch stationäre Akutpflege, stationäre Langzeitpflege, ambulante Akut- und Langzeitpflege sowie pädiatrische und psychiatrische Versorgung. Ein Vertiefungseinsatz setzt einen individuellen Schwerpunkt, ohne die gemeinsame generalistische Grundlage zu ersetzen.
Lerninhalte in der Pflegeausbildung
- Krankheiten und ihre Ursachen, Diagnose und Behandlung
- Durchführung von Blutabnahmen und Vorbereitung von Röntgenuntersuchungen
- Eintragen von Fieberkurven und Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Patientenaufnahme, -verlegung und -entlassung
- Assistieren bei ärztlichen Maßnahmen und Operationen
- Vor- und Nachbereitung von Visiten
- Anwendung von Pflegetechniken wie Wundversorgung, Injektionen und Infusionen
- Ermittlung des Pflegebedarfs und Erstellen von Pflegeplänen
- Einbeziehung des sozialen Umfelds des Patienten
- Mitwirken an der Umsetzung von Rehabilitationskonzepten
- Kenntnisse über rechtliche Bestimmungen in der Krankenpflege
- Zusätzlicher Unterricht in den Fächern Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde
Neben der beruflichen Ausbildung gibt es primärqualifizierende Pflegestudiengänge. Zugang, Dauer und Studienmodell unterscheiden sich je nach Hochschule; sie sind nicht pauschal als ein zusätzliches Studienjahr nach der dreijährigen Ausbildung ausgestaltet.
Spezialisierung während der Pflegeausbildung
Die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann dauert in Vollzeit drei Jahre. In den ersten beiden Ausbildungsdritteln lernen die Auszubildenden verschiedene Versorgungsbereiche kennen. Der Vertiefungseinsatz legt einen praktischen Schwerpunkt fest.
Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann vor dem letzten Ausbildungsdrittel statt des generalistischen Abschlusses ein besonderer Abschluss in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege gewählt werden. „Akutpflege“ ist dagegen kein eigener besonderer Berufsabschluss. Wer den generalistischen Abschluss erwirbt, führt die Berufsbezeichnung Pflegefachfrau beziehungsweise Pflegefachmann; dieser Abschluss ist innerhalb der EU automatisch anerkennungsfähig.
Weiterbildungsoptionen nach Abschluss der Pflegeausbildung
Nach der Ausbildung eröffnen sich vielfältige berufliche Perspektiven in unterschiedlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Gesundheitszentren, Altenwohn- und -pflegeheimen, Facharztpraxen und Kurzzeitpflegeeinrichtungen.
Besonders attraktiv sind die Möglichkeiten zur Weiterbildung, die den Krankenschwestern und Krankenpflegern sowohl fachliche Spezialisierung als auch Aufstiegschancen in Leitungsfunktionen bieten. Es gibt zwei Hauptarten von Weiterbildungen:
Wichtige Bereiche der fachliche Weiterbildung:
- Intensiv- und Anästhesiepflege
- Onkologische Pflege
- Operationsdienst und Endoskopie
- Stroke-Weiterbildung (Schlaganfallversorgung)
- Hygienefachkraft
- Schmerzmanagement
- Wundmanagement
- Palliativpflege
- Gerontopsychiatrische Pflege
- Geriatrische Pflege
- Neonatologie (Pflege von Neugeborenen)
- Diabetesberatung
- Psychiatrische Pflege
- Case Management
Weiterbildung für Leitungsfunktionen:
- Stationsleitung
- Pflegedienstleitung
- Pflegemanagement
- Wohnbereichsleitung
- Pflegepädagogik
- Qualitätsmanagement
- Pflegeberatung und -koordination
- Organisationsentwicklung und -beratung in der Pflege
Alltag einer Krankenschwester/eines Krankenpflegers
Zu den wichtigsten Tätigkeiten gehören:
- Die Grundpflege der Patienten, wie das Waschen, Lagern und die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, steht im Fokus, um das Wohlergehen der Patienten sicherzustellen.
- Die Versorgung von Wunden und die Durchführung von Verbandwechseln sind zentrale Aspekte, um die Genesung der Patienten voranzubringen.
- Die Verabreichung von Medikamenten und ärztlich verordneten Therapien wie Infusionen oder Injektionen gehört ebenso zu ihren Aufgaben.
- Das kontinuierliche Beobachten des Gesundheitszustandes der Patienten und das Erkennen von Veränderungen oder möglichen Komplikationen ermöglichen frühzeitiges Handeln.
- Eine sorgfältige Dokumentation des Krankheitsverlaufs und die Erstellung von Pflegeplänen gewährleisten eine optimale Versorgung der Patienten.
- Die Messung von Vitalwerten wie Temperatur, Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung ist essentiell, um den Gesundheitszustand der Patienten zu überwachen.
- Die Beratung der Patienten und Angehörigen hinsichtlich der Krankheitsbewältigung und Prävention unterstützt eine erfolgreiche Genesung und Vermeidung von Rückfällen.
- Die Vorbereitung der Patienten für ärztliche Visiten und Untersuchungen ermöglicht eine effiziente Zusammenarbeit im interdisziplinären Team.
- Die Teilnahme an Besprechungen über Entlassungen, Neuaufnahmen und Verlegungen von Patienten fördert einen reibungslosen Ablauf der Pflegeprozesse.
- Die Unterstützung der Ärzte bei verschiedenen Tätigkeiten ist ein wichtiger Beitrag zum Gesamterfolg der Behandlung.
- Die Durchführung von diagnostischen Schnelltests und die Koordination der Essens- und Medikamentenvergabe gehören ebenfalls zu ihren vielfältigen Aufgaben.
Der Pflegeberuf birgt viele Herausforderungen. Die physischen und psychischen Belastungen sind hoch, da es um Leben und Gesundheit der Patient*innen geht. Der Umgang mit diesen Situationen kann auch das eigene Wohlbefinden beeinflussen, weshalb Selbstreflexion und Abgrenzung wichtige Aspekte sind. Zudem ist der Schichtdienst ein fester Bestandteil des Berufs, was eine gewisse Flexibilität erfordert.
Die vielseitigen Aufgaben und der abwechslungsreiche Arbeitsalltag machen den Beruf der Krankenschwester/Krankenpfleger dennoch attraktiv. Die Möglichkeit, Menschen zu helfen und ihnen Beistand zu leisten, verleiht dieser Berufung eine besondere Erfüllung und Bedeutung.
Berufliche Perspektiven
Die Perspektiven nach erfolgreicher Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger sind vielversprechend. Die Verdienstmöglichkeiten variieren je nach Arbeitgeber, Bundesland und individueller Berufserfahrung, sind aber generell attraktiv. Der Beruf bietet nicht nur finanzielle Stabilität, sondern gilt auch als krisensicher.
Dank steigender Gehälter und umfangreicher Weiterbildungsmöglichkeiten ergeben sich für Pflegefachkräfte vielfältige Karrierepfade, die zu einer langfristigen und erfolgreichen Laufbahn in der Pflegebranche führen. Für weitere Details zu den Gehaltsaussichten empfehlen wir unseren speziellen Artikel zum Thema Gehalt in der Pflege.
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