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Facharzt / Fachärztin für Herzchirurgie: Arbeitsschwerpunkte und Berufsbild

Die Herzchirurgie ist überwiegend stationär tätig und behandelt Erkrankungen des Herzens und der großen herznahen Gefäße operativ. Moderne minimalinvasive und roboterassistierte Verfahren ergänzen die offene Chirurgie. Die Facharztweiterbildung dauert 72 Monate und führt zur Bezeichnung Facharzt / Fachärztin für Herzchirurgie.

Die Illustration zeigt eine Herzchirurgin mit einer Patientenakte in der Hand.

Die Herzchirurgie etablierte sich als eigenständige Disziplin in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine. Die Hauptaufgaben von Herzchirurgen / Herzchirurginnen umfassen die Diagnose und chirurgische Behandlung von Herzkrankheiten und Erkrankungen der großen Blutgefäße. Zu den typischen Verfahren gehören Bypass-Operationen, Reparaturen oder der Ersatz von Herzklappen und die Korrektur angeborener Herzfehler. Herzchirurgen arbeiten vorwiegend in spezialisierten Herzzentren, oft in großen Krankenhäusern oder Universitätskliniken. Diese Einrichtungen sind technisch so ausgestattet, dass sie komplexe Operationen und die intensive Nachbetreuung der Patienten ermöglichen.

Was ist ein Herzchirurg / eine Herzchirurgin?

Ein Herzchirurg / eine Herzchirurgin ist ein Facharzt / eine Fachärztin, der/die eine Facharztausbildung im Schwerpunkt Herzchirurgie abgeschlossen hat. Die offizielle Berufsbezeichnung für Ärzte, die sich auf Herzoperationen spezialisiert haben, lautet "Facharzt für Herzchirurgie" bzw. "Fachärztin für Herzchirurgie". In internationalen Kontexten wird oft auch der Begriff "Cardiothoracic Surgeon" verwendet, der Herz- und Thoraxchirurgen einschließt.

Bedeutung der Herzchirurgie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. Bei komplexen Erkrankungen können herzchirurgische Eingriffe ein wichtiger Teil der Behandlung sein. Welche Therapie geeignet ist, wird interdisziplinär und abhängig vom individuellen Befund entschieden.

Minimalinvasive Zugänge, verbesserte Bildgebung und roboterassistierte Techniken erweitern die operativen Möglichkeiten. Sie kommen jedoch nicht für jede Erkrankung oder jeden Patienten gleichermaßen infrage.

Anzahl Herzchirurgen / Herzchirurginnen 

Die Herzchirurgie ist ein kleiner und hoch spezialisierter medizinischer Fachbereich. Ende 2025 waren laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer 1.228 Ärztinnen und Ärzte mit dieser Gebietsbezeichnung berufstätig; 231 davon waren Frauen, entsprechend rund 19 %.

Abgrenzung Kardiologie und Herzchirurgie

Kardiologen und Herzchirurgen sind beide auf Herz-Kreislauferkrankungen spezialisiert, unterscheiden sich jedoch in ihren Behandlungsansätzen. Kardiologen diagnostizieren und behandeln Herzkrankheiten hauptsächlich mit Medikamenten und minimalinvasiven Verfahren wie Kathetereingriffen. Sie sind die primären Ansprechpartner für die langfristige Betreuung und Überwachung der Herzgesundheit von Patienten. Herzchirurgen, oder kardiothorakale Chirurgen, sind auf operative Eingriffe spezialisiert und führen komplexe Operationen wie Bypass-Operationen, Herzklappenreparaturen oder Herztransplantationen durch. Ihre Rolle konzentriert sich vor allem auf die chirurgische Behandlung von Herzkrankheiten, die nicht durch Medikamente oder katheterbasierte Interventionen allein behandelt werden können. Beide Fachdisziplinen arbeiten eng zusammen, um eine umfassende Behandlung für Patienten mit schweren oder komplizierten Herzkrankheiten zu gewährleisten. Während Kardiologen die Behandlung vor und nach einer Operation steuern, sind Herzchirurgen für die Durchführung der eigentlichen operativen Eingriffe zuständig. 

Tätigkeitsschwerpunkte der Herzchirurgie

Die Herzchirurgie umfasst spezialisierte chirurgische Eingriffe am Herzen und an den großen Blutgefäßen, die darauf abzielen, die Herzfunktion zu verbessern und lebensbedrohliche Zustände zu behandeln. Durch den Einsatz fortschrittlicher Techniken, darunter minimalinvasive und roboterassistierte Verfahren, können Chirurgen präzisere Eingriffe durchführen, die Patientenerholung beschleunigen und das Risiko von Komplikationen minimieren.

Koronararterien-Bypass (CABG)

Diese Operation wird verwendet, um den Blutfluss zu Teilen des Herzens wiederherzustellen, die aufgrund von verstopften Koronararterien beeinträchtigt sind. Dabei wird ein Blutgefäß aus einem anderen Körperteil entnommen und verwendet, um das Blut um den blockierten Bereich herumzuleiten.

Herzklappenoperationen

Reparatur oder Ersatz von beschädigten Herzklappen, die nicht mehr richtig funktionieren. Diese Eingriffe sind entscheidend, um die normale Blutflussrichtung innerhalb des Herzens zu gewährleisten und um eine effiziente Pumpfunktion des Herzens zu erhalten.

Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI)

Ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem eine kollabierte Herzklappe über einen Katheter, der meist über die Leiste eingeführt wird, zum Herzen geführt und dort expandiert wird, um eine defekte Aortenklappe zu ersetzen.

Aneurysma-Reparatur

Chirurgische Behandlung von Aneurysmen in den großen Arterien, einschließlich der Aorta, um ein Reißen der Gefäßwand zu verhindern. Dies wird oft durch Einsetzen eines synthetischen Grafts durchgeführt.

Herztransplantationen

Entfernung eines schwer erkrankten Herzens und Ersatz durch ein gesundes Spenderherz. Diese Operation ist eine Option für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder schwerwiegenden Herzschäden, die nicht durch andere Behandlungen korrigiert werden können.

Einsetzen von Herzschrittmachern und Defibrillatoren

Installation dieser Geräte zur Regulierung des Herzrhythmus bei Patienten mit Arrhythmien. Schrittmacher kontrollieren anhaltend niedrige Herzfrequenzen, während Defibrillatoren dazu dienen, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu korrigieren.

Minimalinvasive und roboterassistierte Herzchirurgie

Diese Techniken verwenden kleinere Schnitte oder Zugänge durch die Rippen, was zu weniger Schmerzen und schnellerer Erholung führt. Roboterassistierte Chirurgie ermöglicht sehr präzise Bewegungen und wird für eine Vielzahl von Herzoperationen eingesetzt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Kardiochirurgie zwingend erforderlich

Herzchirurgen und Kardiologen arbeiten eng zusammen, aber die Kooperation erstreckt sich auch auf andere Fachbereiche, um eine umfassende Behandlung und Betreuung zu gewährleisten.

Anästhesie: Anästhesisten sind für die Durchführung der Narkose während herzchirurgischer Eingriffe verantwortlich. Sie überwachen die lebenswichtigen Funktionen der Patienten während der Operation und sind wesentlich an der Schmerzsteuerung und Stabilisierung beteiligt.

Intensivmedizin: Intensivmediziner spielen eine wichtige Rolle in der Betreuung von Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen. Sie überwachen die Patienten in der kritischen Phase nach der Operation, managen lebenserhaltende Maßnahmen und stellen sicher, dass Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Thoraxchirurgie: In komplexeren Fällen, insbesondere bei Eingriffen, die nicht nur das Herz, sondern auch andere Teile des Thorax betreffen, arbeiten Herzchirurgen eng mit Thoraxchirurgen zusammen. Diese Zusammenarbeit ist wichtig für die Planung und Ausführung von Operationen, die über das Herz hinausgehen, wie z.B. bei Erkrankungen der großen Brustgefäße oder der Lunge.

Nephrologie: Nieren und Herz sind eng verbunden, da Nierenerkrankungen häufig Herz-Kreislauf-Probleme verursachen können. Nephrologen sind wichtig für das Management von Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sowie für die Behandlung von nierenbedingten Bluthochdruckformen, die bei Herzpatienten oft vorkommen.

Neurologie: Bei herzchirurgischen Eingriffen, besonders bei Operationen am offenen Herzen, besteht das Risiko von neurologischen Komplikationen, wie Schlaganfällen. Neurologen sind wichtig für die Prävention, Diagnose und Behandlung solcher Vorfälle.

Facharztausbildung Herzchirurgie

Die Facharztausbildung zum Facharzt / zur Fachärztin für Herzchirurgie kann nur in medizinischen Einrichtungen stattfinden, die von den Landesärztekammern hierfür zugelassen sind. Diese Einrichtungen müssen spezielle Voraussetzungen erfüllen, um eine umfassende und qualifizierte Ausbildung gewährleisten zu können. Typischerweise handelt es sich dabei um große Universitätskliniken oder spezialisierte Herzzentren, die über entsprechende personelle und technische Ressourcen verfügen. Die Facharztausbildung endet mit einer abschließenden Prüfung, nach deren Bestehen die Ärzte / Ärztinnen als Fachärzte / Fachärztinnen für Herzchirurgie anerkannt werden.

Die Weiterbildung umfasst nach der aktuell geprüften Weiterbildungsordnung insgesamt 72 Monate. Davon müssen 48 Monate in der Herzchirurgie, 6 Monate in der Notfallaufnahme und 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden. Weitere 12 Monate dienen dem Kompetenzerwerb im Gebiet Chirurgie, in Notfallaufnahme oder Intensivmedizin oder in anderen Gebieten. Einen eigenständigen verpflichtenden 24-monatigen Common Trunk sieht diese Ordnung nicht vor; verbindlich ist jeweils die Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Einzelheiten erläutert der Beitrag zur Facharztweiterbildung Herzchirurgie.

Berufliche Perspektiven in der Herzchirurgie

Die beruflichen Aussichten in der Herzchirurgie sind aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Zahl kardiovaskulärer Erkrankungen sehr positiv. Eine alternde Bevölkerung und die Zunahme von Herzerkrankungen erhöhen den Bedarf an spezialisierter kardiologischer Diagnostik und chirurgischer Therapie.

Gehalt für Herzchirurgen in Krankenhäusern und Kliniken

Das Gehalt in der Herzchirurgie hängt von Position, Arbeitgeber, Tarifbindung und Berufserfahrung ab. Im TV-Ärzte/VKA gelten vom 1. Juni bis 31. Dezember 2026 beispielsweise folgende monatliche Bruttogrundentgelte:

  • Ärztinnen und Ärzte im 3. Tätigkeitsjahr (EG I): 6.278,07 EUR
  • Fachärztinnen und Fachärzte im 3. Jahr der fachärztlichen Tätigkeit (EG II, Stufe 1): 7.552,19 EUR
  • Oberärztinnen und Oberärzte im 3. Jahr der oberärztlichen Tätigkeit (EG III, Stufe 1): 9.459,56 EUR

Die tarifliche Eingruppierung richtet sich nach den übertragenen Aufgaben. Dienste, Zuschläge und individuelle Vereinbarungen sind in diesen Grundentgelten nicht enthalten.

Situation in der ambulanten Versorgung

Der Versorgungsschwerpunkt der Herzchirurgie liegt stationär in spezialisierten Kliniken und Herzzentren. Ambulante Sprechstunden, Voruntersuchungen und Nachsorge können die stationäre Behandlung ergänzen; komplexe Operationen erfordern jedoch die entsprechende klinische Infrastruktur.

Spezialisierungsmöglichkeiten in der Herzchirurgie

Die Herzchirurgie bietet zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten, darunter:

  • Koronarchirurgie
  • Klappenchirurgie
  • Herztransplantation
  • Aortenchirurgie
  • Minimal-invasive herzchirurgische Techniken
Letzte Aktualisierung
21.09.2026
Autor/Autorin
valmedi Redaktion
Bildgestaltung
Hanna Hillier

Quellen

  1. Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2025
  2. Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie: Zahlen und Fakten
  3. Bayerische Landesärztekammer: Weiterbildungsordnung, Facharzt/Fachärztin für Herzchirurgie
  4. Marburger Bund: Entgelttabellen TV-Ärzte/VKA ab 1. Juni 2026

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